Im Jahr 2025 wurden auf den sechs größten Blockchains mindestens 457 Milliarden Dollar potenziell steuerpflichtiger Kryptoaktivität registriert – von Handelsgewinnen bis zu Zahlungen und Einkünften aus Staking. Laut Chainalysis führen die USA mit 112,6 Milliarden, während Nordamerika und die Europäische Union zusammen 250 Milliarden überschritten haben. Die Zahl ist beeindruckend, aber sie ist nur die Untergrenze: Die Analyse berücksichtigt weder interne Transaktionen zentralisierter Börsen noch viele andere Netzwerke.
Der Großteil dieser Aktivität bleibt für die Steuerbehörden unsichtbar. Laut dem Bericht decken die CARF-Regeln, die im Jahr 2026 in Kraft traten, nur 14 Prozent der Ströme ab. Die restlichen 86 Prozent sind Handel an dezentralen Börsen, Peer-to-Peer-Überweisungen, Einkünfte aus Mining und Kryptozahlungen. Die Staaten erhalten Daten hauptsächlich von zentralisierten Plattformen, während selbstverwaltete Wallets und DeFi weiterhin nach ihren eigenen Regeln funktionieren.
Für einzelne Länder werden solche Volumina zu einem spürbaren Teil des Budgets. In Portugal entsprechen zwei Milliarden Dollar Kryptoaktivität 201 Prozent des Haushaltsdefizits, und in Nigeria machen 4,4 Milliarden mehr als 12 Prozent aller Staatseinnahmen aus. Diese Zahlen zeigen, wie sehr Krypto bereits in die Alltagswirtschaft verwoben ist, insbesondere in Ländern mit instabiler Landeswährung.
Für den normalen Nutzer bedeutet das ein einfaches Dilemma: selbst Buch führen oder riskieren. Zahlungen in Stablecoins, die einen erheblichen Teil des US-Betrags ausmachten, entziehen sich leicht der automatischen Verfolgung. Man kauft einen Kaffee mit USDT oder erhält eine Freelance-Zahlung in Krypto – und diese Transaktionen landen nicht automatisch in den Berichten der Börsen.
Die Situation erinnert an einen Fluss, bei dem ein Teil des Wassers durch sichtbare Kanäle fließt und der Rest durch den Boden sickert. Regierungen verstärken die Dämme in Form internationaler Abkommen, aber das Wasser findet weiterhin Umwege. Am Ende gewinnt, wer seine Transaktionen transparent dokumentiert, und verliert das Budget, dem Mittel für soziale Zwecke fehlen.
Chainalysis betont: Die Zahl von 457 Milliarden ist nicht die Summe der Steuern, sondern nur eine Schätzung der potenziell steuerpflichtigen Ströme. Die tatsächlichen Einnahmen hängen von der nationalen Gesetzgebung und der Integrität der Marktteilnehmer ab. Im Jahr 2026, wenn CARF vollständig greift, könnte die Kluft zwischen Sichtbarem und Realem kleiner werden, aber ganz verschwinden wird sie wohl nicht.

