Während Metropolen weltweit mit Hitze, Smog und Grünflächenmangel zu kämpfen haben, antwortet Griechenland mit einem Projekt, das bereits als eines der ambitioniertesten Beispiele städtischer Erneuerung weltweit bezeichnet wird. Auf dem Gelände des verlassenen Flugplatzes bei Athen entsteht rasant The Ellinikon Park – der zukünftig größte urbane Küstenpark Europas.
Zweites Leben für Start- und Landebahnen
Der Flughafen Ellinikon diente Jahrzehnte lang als das Hauptluftfahrttor der griechischen Hauptstadt, bis er 2001 einem neuen Flughafen weichen musste. Das Gelände lag lange Zeit brach, bis 2014 das Unternehmen Lamda Development die Rechte für dessen Entwicklung erwarb. Die Abrissarbeiten begannen 2020, und heute ist hier eine der größten Baustellen Europas in vollem Gange.
Die Dimensionen sind beeindruckend: Das gesamte Projekt erstreckt sich über mehr als 6 Millionen Quadratmeter – eine Fläche, die dreimal so groß ist wie Monaco. Die Investitionen belaufen sich auf rund 8 Milliarden Euro, und neben dem Park umfasst der Komplex Griechenlands ersten Wolkenkratzer, ein Premium-Einkaufszentrum und einen Sportkomplex. Das Herzstück des Projekts ist jedoch die Grünfläche.
Ein Park, der Athens Grünflächen verdoppeln wird
Der Park The Ellinikon selbst wird sich über 2 Millionen Quadratmeter entlang der Küste des Saronischen Golfs erstrecken. Experten schätzen, dass seine Entstehung die Menge der Grünflächen Athens – einer Stadt, die historisch unter einem Mangel an ihnen leidet – nahezu verdoppeln wird.
Die Zahlen zur Begrünung lesen sich wie ein eigener Rekord:
- mehr als 30.000 Bäume und etwa 3 Millionen Sträucher und Grünpflanzen;
- Grünflächen werden über 70 % der Parkfläche einnehmen;
- Das Ökosystem ist für über 520 Arten von Flora und Fauna konzipiert, wobei über 70 % der Anpflanzungen einheimische oder gut angepasste Arten sind.
Kühlungs-Technik: Bis zu 4°C kühler ohne Klimaanlagen
Athen ist eine der heißesten Hauptstädte Europas, weshalb das Mikroklima bereits in frühen Phasen mittels thermischer Kartierung und numerischer Strömungsmechanik (CFD) geplant wurde. Das Ergebnis ist ein Netz von „kühlen Wegen“, auf denen die Temperatur bis zu 4°C niedriger sein wird als auf angrenzenden asphaltierten Flächen. Erholungszonen sind so konzipiert, dass über 60 % der Fläche im Schatten liegen, während die natürliche Belüftung erhalten bleibt und Pflanzen die Luft durch Transpiration zusätzlich kühlen.
Die Wasserinfrastruktur ist ein besonderer Stolz des Projekts:
- eine tertiäre Abwasseraufbereitungsanlage mit einer Kapazität von 7.000 m³ pro Tag;
- ein Speichertank für 10.000 m³;
- eine „intelligente“ Bewässerung basierend auf Wetter- und Bodenfeuchtigkeitssensoren, die bis zu 90 % Wasser einspart;
- 100 % des Regenwassers wird direkt vor Ort aufbereitet, und der Bachlauf des Trachones wird als natürlicher Hochwasserschutz wiederhergestellt.
Abfall als Ressource
Eine besondere Philosophie des Projekts ist die Kreislaufwirtschaft. Betonplatten und Konstruktionen des ehemaligen Flughafens werden nicht auf Deponien entsorgt, sondern in Wände, Bänke und kleinere architektonische Formen umgewandelt; zerstoßener Beton wird für Gabionen und Verfüllungen verwendet, was den ökologischen Fußabdruck der Bauarbeiten erheblich reduziert.
Roadmap: Vom Sport zur großen Eröffnung
Das Projekt wird schrittweise entwickelt. Bis Mitte 2026 werden den Besuchern bereits moderne Sportanlagen zugänglich sein – von Tennis und Fußball bis hin zu offenen Trainingsbereichen. Der zentrale Park soll Anfang 2027 für Besucher geöffnet werden, während die vollständige Fertigstellung der gesamten begleitenden Infrastruktur bis 2030 dauern wird.
Warum das wichtig ist
The Ellinikon ist nicht einfach nur „viele Bäume am Meer“. Es ist ein Laboratorium der Stadt der Zukunft: Klimamodellierung, ein geschlossener Wasserkreislauf, Materialwiederverwendung und die Rückführung der Natur in ein Industriegebiet. Für Athen wird der Park eine Rettung vor der Hitze und ein neues Symbol der Athener Riviera sein, und für den Rest der Welt ein anschauliches Beispiel dafür, wie veraltete Infrastruktur des 20. Jahrhunderts in eine sich regenerierende Landschaft des 21. Jahrhunderts verwandelt werden kann.




