Bank of Japan hält an vorsichtigem Kurs fest: Moderater Zinsanstieg bis 2026 erwartet

Bearbeitet von: Aleksandr Lytviak

Bank of Japan hält an vorsichtigem Kurs fest: Moderater Zinsanstieg bis 2026 erwartet-1

Während der globale Trend zu Zinssenkungen geht, verfolgt die Bank of Japan einen entgegengesetzten Weg, agiert dabei jedoch äußerst behutsam und mit Blick auf die wirtschaftliche Anfälligkeit.

Strukturelle Faktoren wie die immense Staatsverschuldung von über 250 % des BIP, die alternde Bevölkerung und die Exportabhängigkeit prägen diesen Pfad. Diese Einschränkungen verhindern eine drastische Straffung der Geldpolitik, selbst wenn die Inflation sich dem Zielwert von 2 % nähert.

Aktuelle Daten belegen zwar ein stabiles Lohnwachstum, allerdings erzeugt dieses noch keinen ausreichend beständigen Inflationsdruck für aggressivere Maßnahmen.

Derzeit spielen die Dynamik des Yen und die Lohnverhandlungen im Frühjahr 2025 eine entscheidende Rolle. Während Regierung und Unternehmen einen schwachen Yen zur Exportförderung bevorzugen, möchte die Bank of Japan erneute Währungsinterventionen vermeiden.

Ein stillschweigender Interessenausgleich zwischen Exporteuren und Behörden bremst entschlossenere Zinsschritte aus.

Die historischen Erfahrungen der Jahre 2016 bis 2019 zeigen, dass Versuche einer schnellen Normalisierung zu einer starken Aufwertung des Yen und einem industriellen Abschwung führten. Zwar erweist sich die Inflation heute als hartnäckiger, doch die Produktivitätslücke zwischen Japan und den USA belastet die Währung weiterhin.

Das wahrscheinlichste Szenario sieht eine schrittweise Anhebung des Leitzinses auf 0,75 bis 1 % bis Ende 2026 vor. Dieser Prozess hängt davon ab, ob das Lohnwachstum stabil über 3 % bleibt und die Inflation nahe am Zielwert verharrt.

Zwei Hauptrisiken – eine drastische Abkühlung der Weltwirtschaft oder eine unerwartete Aufwertung des Yen – könnten die Normalisierung weiter verzögern.

In den kommenden vier bis acht Wochen gilt es vor allem, die Ergebnisse der Frühjahrs-Lohnrunden sowie die Kommentare der Bank of Japan zu den Inflationserwartungen genau zu beobachten. Diese Daten werden Aufschluss darüber geben, ob der Impuls für eine weitere Straffung bestehen bleibt.

Anleger sollten sich auf einen moderaten Anstieg der Renditen japanischer Staatsanleihen einstellen und die Entwicklung des Yen als zentrales Signal für einen Politikwechsel aufmerksam verfolgen.

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Quellen

  • Muzinich Weekly Market Comment: On the starting blocks

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