Real Madrid startete mit einem Sieg gegen Inter in die neue Champions-League-Saison – 2:1 im Bernabéu. Zwei Tore in der ersten Halbzeit nach groben Fehlern der Gäste und ein nervenaufreibendes Ende, als Carlos Augusto den Rückstand verkürzte. Auf dem Papier ein souveräner Start, in Wirklichkeit ein Spiel, das mehr Fragen aufwarf als Antworten gab.
José Mourinho, der nach langer Pause zu Real zurückgekehrt ist, stand erneut einer Mannschaft gegenüber, die er einst zum Triumph in Europa geführt hatte. Inter unter der Leitung von Cristian Chivu wirkte organisiert, bestrafte sich aber zweimal selbst: Zuerst verlor Yann Bisseck den Ball und ermöglichte Brahim Díaz, Kylian Mbappé einzusetzen, dann riskierte Torhüter Josep Martínez mit dem Ball am eigenen Strafraum und spielte ihn Federico Valverde in die Hände.
Mbappé erhöhte sein Konto in der Champions League auf 71 Tore und zog damit mit Raúl gleich. Der Franzose zeigte erneut, warum er die größte Bedrohung im Angriff der Madrilenen bleibt. Doch hinter diesem Erfolg verbarg sich ein anderes Bild: Real ließ 21 Schüsse zu, und Thibaut Courtois musste sieben Mal retten. Die Fans auf den Rängen pfiffen sogar bei einem Stand von 2:0, unzufrieden damit, wie die Mannschaft das Spiel kontrollierte.
Das Paradox des Spiels besteht darin, dass Real gewann, indem es sich auf individuelle Fehler des Gegners und Momente der Genialität einzelner Spieler stützte, nicht auf ein eingespieltes Mannschaftsspiel. Inter hatte mehr Ballbesitz und erspielte sich gefährliche Chancen, konnte sie aber bis zum späten Tor von Augusto nicht nutzen. Das erinnerte an das alte Sprichwort: „Wer keine Fehler macht, verliert nicht“, aber im Spitzenfußball funktioniert dieser Ansatz selten lange.
Unter dem Druck der Fans und nach der jüngsten Niederlage gegen Betis musste Mourinho Aufstellung und Taktik im laufenden Spiel ändern. Auswechslungen und taktische Umstellungen halfen, den Sieg zu sichern, zeigten aber, wie fragil das Gleichgewicht in der Mannschaft ist. Die psychische Stabilität der Spieler, besonders in der Schlussphase, wurde zum Schlüsselfaktor.
Dieser Sieg ist nicht nur ein Dreier im ersten Spieltag. Er wirft die Frage auf, ob Mourinhos Mannschaft bereit ist für eine lange Kampagne in der Champions League, wo Fehler der Gegner seltener vorkommen und der Druck nur noch steigen wird. Die Zukunft wird zeigen, ob dieses Spiel eine Ausnahme oder der Beginn eines neuen Kapitels war.


