18. Juli: Der internationale Tag, an dem die Welt lernt, zuzuhören und nicht nur zu hören

Autor: Inna Horoshkina One

Zu Ehren des World Listening Day diskutieren die Musikerin Evelyn Glennie — die in ihrer Kindheit fast völlig ihr Gehör verloren hat — und Stuart Fox darüber, woraus echtes Zuhören beginnt.

Am 18. Juli wird weltweit der World Listening Day – Welthörtag gefeiert.

Auf den ersten Blick klingt das ungewöhnlich. Wir sind es gewohnt, Musik zu feiern.

Kunst. Kreativität. Aber das Zuhören für sich genommen?

Und vielleicht liegt gerade hierin die Hauptbedeutung dieses Tages.

Die moderne Welt ist voller Stimmen, Musik, Benachrichtigungen und eines endlosen Informationsflusses. Wir hören immer mehr. Aber hören wir wirklich immer zu?

Ein Tag, geboren aus Achtsamkeit

Der Welthörtag wurde 2010 auf Initiative des World Listening Project ins Leben gerufen.

Das Datum, der 18. Juli, wurde zu Ehren des Geburtstags des kanadischen Komponisten und Klangforschers Raymond Murray Schafer gewählt – einer Person, die als Begründer der modernen akustischen Ökologie gilt.

Bereits Ende der 1960er Jahre gründete er das World Soundscape Project – eine internationale Forschungsgruppe, die die Klanglandschaften von Städten und Natur untersuchte.

Schafer entwickelte die erstaunliche Idee. Klang ist nicht nur ein Hintergrund unseres Lebens.

Er ist das lebendige Gedächtnis eines Ortes. Er nahm die Geräusche der Straßen, die Stimmen der Natur, das Atmen der Städte auf und stellte eine einfache Frage:

Wie klingt die Welt, in der wir leben?

Nicht nur Musik. Aber auch der Wind. Der Wald. Der Ozean. Der Regen. Die Pause zwischen zwei Worten.

Jeder Klang wird Teil der Geschichte eines Ortes. Und jeder kann mehr über ihn erzählen, als es auf den ersten Blick scheint.

Hören ist nicht gleich Zuhören

Das Hören geschieht von selbst. Geräusche erreichen unsere Ohren, unabhängig davon, ob wir ihnen Aufmerksamkeit schenken oder nicht. Das Zuhören beginnt später. In dem Moment, in dem ein Mensch beschließt, präsent zu sein.

Wenn er aufhört, auf seine Gesprächszeit zu warten. Wenn er versucht, nicht zu antworten… sondern zu verstehen.

Genau diesen Unterschied erforschte die amerikanische Komponistin Pauline Oliveros, die die Praxis des Deep Listening – „tiefes Zuhören“ entwickelte.

Für sie war das Zuhören nie nur eine musikalische Technik. Es war eine Art, in der Welt zu sein.

Den Raum zu hören. Die Natur. Den anderen Menschen. Sich selbst.

Die Welt klingt immer

Heute widmen sich immer mehr Projekte nicht der Schaffung neuer Musik, sondern der Erforschung der Kunst des Zuhörens selbst.

Eines davon ist das internationale Projekt Cities and Memory, das Klänge aus aller Welt sammelt und sie in einen Raum der Erinnerung, der Achtsamkeit und der menschlichen Wahrnehmung verwandelt.

Anlässlich des World Listening Day schlugen die weltberühmte schottische Schlagzeugerin Evelyn Glennie und der Gründer des Projekts Cities and Memory, Stuart Fowkes, vor, über eine einfache Frage nachzudenken:

Was bedeutet es, wirklich zuzuhören?

Es ist besonders symbolisch, dass diese Frage gerade von Evelyn Glennie gestellt wird.

Nachdem sie als Kind fast ihr Gehör verloren hatte, lernte sie, Musik nicht nur mit den Ohren, sondern mit dem ganzen Körper wahrzunehmen – durch Vibration, Bewegung und Raum – und wurde zu einer der herausragendsten Schlagzeugerinnen der Welt. Ihr Leben erinnert uns gleichsam daran: Zuhören entsteht nicht nur im Gehör. Es entsteht in der Präsenz.

Im Gespräch nennen Evelyn und Stuart vier Qualitäten, ohne die echtes Zuhören unmöglich ist: Achtsamkeit. Offenheit. Verbindung. Ehrlichkeit.

Vielleicht beginnt nicht nur die Musik damit. Aber auch die Begegnung mit dem Leben.

Der Raum zwischen den Klängen

Vielleicht deshalb geht der Welthörtag weit über die Musik hinaus.

Er erinnert uns daran, dass die Welt ständig mit uns spricht.

Durch das Rascheln der Blätter. Durch das Atmen des Ozeans. Durch den Gesang der Vögel. Durch die Stimme eines geliebten Menschen.

Durch die Stille, die zwischen den Worten entsteht.

Und vielleicht beginnt das wirkliche Zuhören genau hier.

Nicht mit den Ohren. Aber mit der Achtsamkeit.

Mit dem Augenblick, in dem wir aufhören, der Welt schnell unsere Erklärung aufzuzwingen…

und sie klingen lassen.

...

Was, wenn Zuhören nicht nur etwas ist, das wir tun…

Sondern das, wozu wir werden, wenn wir wirklich hören? 🤍

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Quellen

  • National Today - World Listening Day

  • World Listening Project - Official

  • World Listening Day - Days Of The Year

  • R. Murray Schafer - Wikipedia

  • World Soundscape Project - Simon Fraser University

  • Главком - 18 июля 2026

  • The Center For Deep Listening

  • Cultivating Ecological Consciousness: Pauline Oliveros' Deep Listening

  • National Day Calendar - World Listening Day

  • The Canadian Encyclopedia - World Soundscape Project

  • Deep Listening - MoMA

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