Als der britische Archäologe Howard Carter im Jahr 1922 das Grab Tutanchamuns im Tal der Könige entdeckte, war die Welt von den nie zuvor gesehenen Schätzen zutiefst beeindruckt.
Zum Hauptsymbol des Fundes avancierte jedoch die goldene Totenmaske, die das Gesicht des jungen Pharaos verhüllte. Doch was genau verbarg sich unter den zahlreichen Schichten der Leinenbinden der Mumie selbst? Jahrzehnte später ermöglichten moderne Technologien und detaillierte Analysen schockierende Einblicke in den Mumifizierungsprozess und das posthume Schicksal des Herrschers.
Verkohlte Haut und chemische Reaktion
Eines der beunruhigendsten Rätsel, auf das die Forscher bei der ersten Untersuchung der Mumie stießen, war die Hautfarbe des Pharaos – sie war vollständig schwarz und wirkte verkohlt. Lange Zeit nährte dies Mythen vom „Fluch der Pharaonen“ oder von exotischen Krankheiten.
Moderne chemische Analysen zeigten jedoch, dass die Ursache ein tragischer Fehler der Balsamierer war. Der Körper war reichlich mit leicht entzündlichen Ölen und Harzen getränkt worden. In einer sauerstoffarmen Umgebung im Sarkophag führte diese Mischung zu einer exothermen Reaktion, die eine spontane Selbstentzündung zur Folge hatte. Der Körper Tutanchamuns war buchstäblich bei extrem hohen Temperaturen innerhalb seiner eigenen Bandagen „gebacken“ worden.
In den Stoff eingewebte Schätze
Die Mumifizierung des Pharaos war nicht nur eine Konservierung des Körpers, sondern ein komplexes magisches Ritual. Unter 17 Schichten feinster Leinenstoffe verbargen die alten Priester über 140 wertvolle Gegenstände. Diese Artefakte sollten den Herrscher im Jenseits beschützen.
Zu den Funden, die aus den Falten der Bandagen geborgen wurden, gehörten:
- Goldene Finger- und Zehenkappen (individuelle Hüllen für die Finger und Zehen);
- Massive Armreifen, Halsketten und heilige Amulette;
- Zwei einzigartige Dolche: einer mit einer Klinge aus reinem Gold und ein anderer, ein extrem seltenes Artefakt mit einer Klinge aus Meteoriteneisen, das im Alten Ägypten wertvoller als Gold war;
- Ein großer Skarabäus, geschnitzt aus gelbem libyschem Glas, der auf der Brust des Pharaos über dem Herzen lag.
Brüche und das Geheimnis des Todes
Die Untersuchung der Überreste unter den Bandagen führte zu zahlreichen Theorien über die Ursache des frühen Todes Tutanchamuns, der zum Zeitpunkt seines Ablebens erst etwa 19 Jahre alt war. Röntgenbilder und moderne CT-Scans offenbarten einen schweren Oberschenkelbruch sowie das Fehlen eines Teils des Brustkorbs (Brustbein und einige Rippen).
Lange Zeit nährten Kopfverletzungen die populäre Theorie eines Mordes am Pharao. Heute tendieren Wissenschaftler zu einer prosaischeren, aber nicht weniger tragischen Version: Tutanchamun erlitt einen komplizierten Beinbruch – möglicherweise bei einem Sturz von einem Streitwagen –, und sein Körper, geschwächt durch eine schwere Malariaform und Erbkrankheiten, konnte die einsetzende Infektion einfach nicht mehr bekämpfen.
Der Preis der Erhaltung: Die Zerlegung der Mumie
Das dunkelste Detail der Mumienöffnung hängt nicht mit den alten Ägyptern zusammen, sondern mit den Archäologen des 20. Jahrhunderts selbst. Die kostbaren Harze, mit denen der Körper während der Bestattung übergossen wurde, waren erstarrt und hatten die Mumie unwiderruflich am Boden des massiven Innensarges, der aus reinem Gold gegossen war, festgeklebt.
Keine Versuche, die Überreste vorsichtig zu bergen, waren erfolgreich. Um die berühmte goldene Maske zu entfernen und den Körper zu untersuchen, musste Carters Team zu extremen Maßnahmen greifen: Die Mumie wurde faktisch zerteilt, wobei Kopf und Gliedmaßen abgetrennt wurden, und das verhärtete Harz musste mit glühend heißen Werkzeugen abgekratzt werden.
Fazit
Die Untersuchung dessen, was sich unter den Bandagen Tutanchamuns befand, hat zahlreiche schöne Mythen zerstört. Den Wissenschaftlern präsentierte sich kein allmächtiger göttlicher Herrscher, sondern ein zerbrechlicher junger Mann, der unter Krankheiten litt und dessen posthume Reise durch fatale Fehler der Balsamierer getrübt wurde.
Das wahre Rätsel der Mumie Tutanchamuns liegt nicht in übernatürlichen Flüchen, sondern in der harten Realität alter Rituale und der Unvollkommenheit der Konservierungsmethoden, die beinahe das zerstörten, was für die Ewigkeit bewahrt werden sollte.

