Rätselhafte Winde auf Exoplaneten deuten auf starke magnetische Aktivität hin

Bearbeitet von: Uliana S

Künstlerische Darstellung einer Exoplanete mit einem Magnetfeld (Credit: ESO/M. Kornmesser, L. Calçada)

Mit dem Very Large Telescope (VLT) der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Chile sowie dem Gemini-North-Teleskop haben Astronomen die Windgeschwindigkeiten auf sieben ultraheißen Jupitern gemessen. Auf diesen Planeten, die durch die extreme Nähe zu ihren Sternen aufgeheizt werden und eine gebundene Rotation aufweisen, erreichen die Winde horrende Geschwindigkeiten von etwa 7.200 km/h bis hin zu über 25.000 km/h.

Die am 2. Juni 2026 in der Fachzeitschrift Nature Astronomy veröffentlichte Studie wurde von Julia Seidel vom Laboratoire Lagrange (Observatoire de la Côte d’Azur, Frankreich) geleitet. Das Team setzt sich aus Forschenden verschiedener Institutionen zusammen, darunter Partner, die die Instrumente ESPRESSO am VLT und MAROON-X am Gemini North nutzen.

Wichtige Beobachtungen

Die Wissenschaftler untersuchten, wie sich die Windgeschwindigkeiten in Abhängigkeit von der jeweiligen Planetentemperatur verändern. Je heißer der Planet ist, desto langsamer wehen die Winde – ein Befund, der rein hydrodynamischen Modellen widerspricht, nach denen höhere Temperaturen eigentlich die atmosphärische Zirkulation beschleunigen sollten. Dieses Verhalten lässt sich am besten durch die Existenz planetarer Magnetfelder erklären, die einen magnetischen Widerstand (Magnetic Drag) erzeugen, indem sie auf das ionisierte Gas in der Atmosphäre einwirken.

Laut der ESO handelt es sich hierbei um die erste belastbare Messung von Magnetismus auf Planeten außerhalb unseres Sonnensystems. Die Magnetfelder dieser heißen Riesen sind Schätzungen zufolge mit denen in unserem Sonnensystem vergleichbar – etwa mehrmals stärker als das des Saturns oder rund halb so stark wie das des Jupiters. Damit liegt die erste verlässliche indirekte Bestimmung der Magnetfeldstärke von Exoplaneten vor, die auf deren atmosphärischer Dynamik basiert.

Über WASP-76b und bisherige Daten

WASP-76b gilt als Paradebeispiel für einen ultraheißen Jupiter. In früheren Arbeiten, etwa aus dem Jahr 2022, wurden mittels Eisenspektroskopie in verschiedenen Schichten der Atmosphäre und am Terminator Windgeschwindigkeiten von 5,9 bis 9,8 km/s (circa 21.000 bis 35.000 km/h) gemessen. Die neue Untersuchung setzt diese Daten nun in einen größeren Kontext von sieben Planeten und führt die beobachteten Anomalien auf den magnetischen Widerstand zurück.

Die Beobachtungen wurden mit dem Hochpräzisionsspektrographen ESPRESSO am VLT in der chilenischen Atacama-Wüste durchgeführt. Die entsprechende Pressemitteilung der ESO (eso2606) erschien am 2. Juni 2026.

Bedeutung der Entdeckung

Diese Entdeckung macht eine grundlegende Überarbeitung der Zirkulationsmodelle für die Atmosphären heißer Jupiter erforderlich, in denen der magnetische Widerstand nun zwingend berücksichtigt werden muss. Dies ist ein entscheidender Schritt, um besser zu verstehen, wie Magnetfelder die Entwicklung der Atmosphäre, die Wasserspeicherung und die potenzielle Bewohnbarkeit von Planeten beeinflussen.

Zukünftige Beobachtungen mit ESPRESSO und später mit dem Extremely Large Telescope (ELT) der ESO werden es ermöglichen, die Magnetfeldparameter auf weiteren Exoplaneten genauer zu definieren.

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Quellen

  • Strange winds reveal strongest hints yet of magnetic activity in exoplanets

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