Zwei rosafarbene Jäger am Rande der Dunkelheit

Autor: Inna Horoshkina One

Zwei furchterregende Anglerfische in der Tiefsee | Nautilus Live

Sie wirken fast wie Spielzeuge: ein runder, rosafarbener Körper, kleine Augen und ein nach unten gerichteter Mund, der den Fischen einen Ausdruck ewiger Unzufriedenheit verleiht.

Doch handelt es sich hier nicht um Figuren aus einem Unterwassermärchen. Dies sind Chaunacops – eine Gattung von Tiefsee-Anglerfischen aus der Familie der Chaunacidae. Ihre Körper sind an eine Welt angepasst, in der Nahrung knapp ist und jede unnötige Bewegung kostbare Energie erfordert.

Am 12. August 2026 veröffentlichte der Ocean Exploration Trust ein Video von gleich zwei Begegnungen mit diesen ungewöhnlichen Fischen in den Gewässern der Föderierten Staaten von Mikronesien.

Zwei Begegnungen im Chuuk-Staat

Beide Fische wurden von den ferngesteuerten Unterwasserfahrzeugen Little Hercules und Atalanta entdeckt, die vom Forschungsschiff Nautilus aus operierten.

Das erste Exemplar wurde am Hang eines unbenannten Unterwasserbergs in einer Tiefe von 1125 Metern gefunden, etwa 79 Kilometer südwestlich der Insel Lamotrek.

Das zweite Exemplar wurde an einem anderen unbenannten Unterwasserberg gesichtet – etwa auf halbem Weg zwischen den Inseln Ifalik und Chuuk, in einer Tiefe von 2706 Metern.

Hunderte Kilometer Ozean und über anderthalb Kilometer Tiefe trennten die beiden Fundorte. Diese Beobachtungen erlauben zwar keine abschließenden Rückschlüsse auf die Verbreitung von Chaunacops, fügen aber neue dokumentierte Sichtungen von Vertretern dieser Gattung in ihrem natürlichen Lebensraum hinzu.

Jede solche Aufnahme wird zu einem weiteren Detail auf der sich allmählich enthüllenden Karte des Tiefseelebens.

Warum sie „wütend“ aussehen

Chaunacops sind leicht an ihrem runden Körper, der rosa- oder rötlichen Färbung und dem nach unten gerichteten Mund zu erkennen, der ihnen einen charakteristischen „wütenden“ Ausdruck verleiht.

Doch dieses ungewöhnliche Aussehen ist keine Laune der Natur, sondern das Ergebnis einer tiefgreifenden Spezialisierung.

Diese Fische benötigen keinen stromlinienförmigen Körper eines schnellen Schwimmers. Die meiste Zeit verbringen sie direkt auf dem Meeresboden, bewegen sich kaum und warten darauf, dass sich potenzielle Beute nähert.

Dort, wo Nahrung selten ist, wird die Fähigkeit, Energie zu sparen, zu einer der wichtigsten Überlebensbedingungen.

Die Angelrute mitten auf der Stirn

Wie andere Anglerfische besitzt auch Chaunacops einen umgewandelten Flossenstrahl der Rückenflosse – eine Art Angelrute mit einem Köder an deren Ende.

Bei diesen Fischen ähnelt der Köder einer Ansammlung kleiner heller Punkte in der Mitte der Stirn. Es handelt sich um eine weiche Struktur, die das Tier in eine spezielle Vertiefung zwischen den Augen zurückziehen kann.

Wie genau dieser Köder Beute anlockt, ist noch nicht abschließend geklärt. Beweise für Biolumineszenz liegen bisher nicht vor. Forscher ziehen andere mögliche Mechanismen in Betracht, darunter die Bewegung des Köders im Wasser und chemische Signale, wie sie von verwandten bodenbewohnenden Anglerfischen bekannt sind.

Die neuen Aufnahmen zeigen nicht den Moment der Jagd selbst. Sie offenbaren etwas anderes: Der Fisch nimmt eine stabile Position am Grund ein und ist in der Lage, lange zu warten, dabei sparsam Energie zu verbrauchen.

Flossen, die zur Stütze wurden

Im Video sind die modifizierten Bauchflossen besonders gut zu erkennen. Chaunacops stützt sich auf sie, hebt seinen Körper über den Grund und behält so eine bequeme Position auf dem Meeresboden bei.

Der Fisch positioniert sich gleichsam an einem bestimmten Punkt im Raum. Er verschmilzt nicht vollständig mit dem Grund, wird aber Teil der Unterwasserlandschaft – still, unbeweglich und empfänglich für das Geschehen um ihn herum.

Aus diesen Aufnahmen lässt sich nicht ableiten, dass das Tier tatsächlich auf den Flossen läuft oder sich auf einen Angriff vorbereitet. Doch ist deutlich zu erkennen, wie präzise sein Körper an das Warten angepasst ist.

Die Tiefe spricht zu uns

Wir richten Kameras in die Tiefe, um ein unbekanntes Geschöpf zu sehen. Doch im Moment der Begegnung geschieht etwas Größeres: Der Ozean offenbart uns eine weitere Art, lebendig zu sein.

Magnapinna offenbart sich dem Raum und nimmt die Welt durch die Berührungen des Wassers wahr.

Chaunacops findet Halt, wird Teil des Meeresbodens und lässt das umgebende Leben näherkommen.

Sie trennen sich nicht von ihrer Umgebung. Sie widersetzen sich ihr nicht und versuchen auch nicht, sie zu unterwerfen. Ihre Körper und Existenzweisen entstehen in tiefer Harmonie mit dem Raum, dessen Teil sie sind.

Und hier verändert sich unsere Sichtweise.

Wir sind nicht länger nur Beobachter, die von außen auf den Ozean blicken. Wir sind eine andere Form desselben Lebens, das in der Tiefe zu Fisch, Tintenfisch, Strömung, Licht und Stille wurde.

Der Ozean hilft uns, uns daran zu erinnern:

Stärke kann Sensibilität sein. Bewegung kann innerhalb von Unbeweglichkeit stattfinden. Warten kann eine erfüllte Präsenz bedeuten. Und die Grenzen zwischen uns und der Welt sind dünner, als wir gewohnt sind zu fühlen.

Jede neue Kreatur erweitert nicht nur die Karte des ozeanischen Lebens. Sie eröffnet im menschlichen Bewusstsein eine weitere Möglichkeit, die Realität wahrzunehmen.

Der Ozean zeigt uns nicht nur, wer in seinen Tiefen lebt. Durch jede Begegnung erinnert er uns daran, was das Leben noch alles ist – und welche Zustände es durch uns wieder in Erinnerung rufen will.

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