Das lebendige Dach des Ford-Werks: Der Industrieriese wurde zum Zuhause für Vögel und Bienen. Doch es erfüllt auch praktische Aufgaben

Bearbeitet von: Svitlana Velhush

Auf dem Dach des größten Ford-Werks in Dearborn, Bundesstaat Michigan, erstreckt sich ein lebendiges Dach mit einer Fläche von 454 000 Quadratfuß — mehr als zehn Acres. Es wurde bereits 2002 installiert, ist mit trockenheitsresistenten Fetthennen und Wildpflanzen bedeckt, und darunter laufen täglich die Pick-ups F-150 und Raptor vom Band.

Ursprünglich erwog Henry Ford im Jahr 1915, dieses Land entlang des Rouge River als mögliches Vogelschutzgebiet zu nutzen, doch stattdessen entstand hier ein gigantischer Industriekomplex. Jahrzehnte später verwirklichte sich die Idee teilweise: Bereits fünf Tage nach der Montage des Dachs nisteten sich Kiebitze darauf ein, und heute leben hier Dutzende Vogelarten, Schmetterlinge, Libellen und etwa 20 000 Honigbienen.

Das Dach wurde nicht nur zu einem unerwarteten Zufluchtsort für die Tierwelt, sondern erfüllt auch praktische Aufgaben. Eine Schicht aus porösem Beton, Erde und Pflanzen hält Regenwasser zurück, verhindert Überschwemmungen der alten Regenwasserkanäle und reduziert zudem die Temperaturschwankungen in den Werkhallen im Winter und Sommer um zehn Grad, was Energie spart.

Das gesamte Gelände von 600 Acres verwandelte sich nach einer umfangreichen Sanierung im Wert von zwei Milliarden Dollar in einen echten Hort der Biodiversität mitten in einer Industriezone. Die Pflanzen auf dem Dach und um es herum filtern die Luft, absorbieren Kohlendioxid und schaffen ein Mikroklima, das für bestäubende Insekten und kleine Tiere günstig ist.

Dieses Beispiel zeigt, dass selbst die größten Produktionsstandorte natürliche Lösungen integrieren können, ohne dabei an Effizienz einzubüßen. Solche „grünen“ Dächer haben ihre Zuverlässigkeit bereits bewiesen: Nach mehr als zwanzig Jahren behält die Bedeckung eine fast hundertprozentige Lebensfähigkeit, und Guinness World Records erkannte sie zum Zeitpunkt der Installation als die größte der Welt an.

Solche Projekte erinnern daran, dass Industrie und Tierwelt koexistieren können, wenn bei der Planung nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Ökosystemzusammenhänge berücksichtigt werden.

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Quellen

  • How a 454,000-Square-Foot Living Roof Turned Ford’s Biggest Factory Into a Bird Habitat

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