Erstmals seit 14 Jahren hat das Verhältnis des S&P 500 zum Bitcoin die 200-Wochen-Moving-Average-Linie überzeugend durchbrochen. Der Kauf einer „Einheit“ des Index erfordert nun lediglich 0,12 BTC – im Gegensatz zu über 300 Coins im Jahr 2012. Der Markt verzeichnet eine Trendumkehr eines langfristigen Trends, bei dem Kryptowährungen über Jahrzehnte traditionelle Aktien übertrafen.
Zuvor endeten kurze Phasen, in denen Aktien schneller als Bitcoin wuchsen, stets mit der Rückkehr der Dominanz des digitalen Assets. Nun scheint der Durchbruch der 200-Wochen-MA nachhaltig zu sein. Ein ähnliches Signal zeigte sich auch im Paar Nasdaq mit Bitcoin. Der technische Indikator, der früher als Unterstützung für BTC-Bullen diente, ist nun zu einem Widerstand geworden.
Eine Interpretation ist das Ende des Narrativs über Bitcoin als „bestes Wertaufbewahrungsmittel“. Institutionelle Portfolios, die Kryptowährungen früher wegen ihrer überragenden Renditen aufnahmen, betrachten sie nun als ein Asset mit vorhersehbareren, aber geringeren Erträgen. Prognosen von 300.000 Dollar pro Coin, die auf früheren Zyklen basierten, verlieren an Relevanz: Der Markt ist zu groß und zu liquide geworden.
Eine andere Sichtweise betrachtet diesen Durchbruch als Zeichen der Reife. Nachdem die Kapitalisierung von Bitcoin die Billionen-Dollar-Grenze überschritten hat und Spot-ETFs, Futures sowie strukturierte Produkte auf dem Markt erschienen sind, sinkt die Volatilität zwangsläufig. Was früher den Preis innerhalb weniger Monate um ein Vielfaches ansteigen ließ, funktioniert nun anders: Der Kapitalzufluss verteilt sich auf eine breitere Basis von Instrumenten.
Für den Privatanleger ist dies nicht nur eine Grafik. Kapital, das früher in Bitcoin als hochrentablem, aber riskantem Instrument „arbeitete“, erfordert nun eine Neubewertung seiner Rolle im Portfolio. Die Analogie ist einfach: Ein Fluss, der früher Baumstämme in reißender Strömung mit sich riss, fließt nun breiter und ruhiger – man kann immer noch darauf fahren, doch die Geschwindigkeit ist eine andere.
Der Markt streicht Bitcoin nicht, er betrachtet ihn lediglich nicht mehr als den einzigen Kapitalbeschleuniger. Die Frage ist nun nicht mehr, ob der Preis steigen wird, sondern welchen Anteil und unter welchen Bedingungen man Bitcoin im Portfolio halten sollte, wenn die früheren Regeln der relativen Stärke nicht mehr gelten.
