Professor Dean Ho von der National University of Singapore beschloss, Langlebigkeit nicht nur zu erforschen, sondern selbst zum einzigen Teilnehmer seines Experiments zu werden. Anstatt der üblichen jährlichen Untersuchungen verfolgte er, wie sich sein Körper unter dem Einfluss eines strengen Regimes in Echtzeit veränderte.
Eine solche Selbstüberprüfung ist heute von großer Bedeutung, da die meisten Menschen ihre Gesundheit anhand statischer Momentaufnahmen wie Bluttests oder jährlicher MRTs beurteilen. Diese Daten zeigen jedoch nicht auf, wie gut der Körper Stress bewältigen, sich erholen und zwischen verschiedenen Energiequellen wechseln kann. Die DELTA-Studie konzentriert sich daher explizit auf die Dynamik der Funktionen und nicht auf bloße Durchschnittswerte.
Der 47-jährige Ho führte intermittierendes Fasten von bis zu 20 Stunden täglich, periodische 48-Stunden-Fastenphasen, tägliche 90-minütige Trainingseinheiten und eine mediterrane Ernährung mit Fokus auf Gemüse, Samen und Olivenöl ein. Drei tragbare Geräte zeichneten die Parameter über acht Monate hinweg auf. Die Ergebnisse, die 2026 in PLOS One veröffentlicht werden sollen, bauen auf einer früheren Arbeit in PNAS Nexus auf.
Die metabolische Umstellung – also die Fähigkeit, schnell vom Verbrennen von Glukose auf Fette als Energiequelle umzuschalten – verbesserte sich bei Ho von über 24 Stunden auf 16,5 Stunden. Der Durchschnittswert für sein Alter liegt normalerweise bei 36 bis 72 Stunden.
Seine Ruheherzfrequenz sank von 65 auf 46 Schläge pro Minute, der Schlaf wurde tiefer und länger, und auch das Darmmikrobiom zeigte eine Verbesserung.
Eine vom Team entwickelte künstliche Intelligenz schätzte sein biologisches Alter auf etwa 32 Jahre, was 15 Jahre jünger ist als sein chronologisches Alter. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass alle diese Schlussfolgerungen auf den Daten einer einzelnen Person basieren und eine Verallgemeinerung auf andere Menschen verfrüht wäre.

Man stelle sich einen Radfahrer vor, der nicht nur am Ende des Rennens seinen Puls misst, sondern beobachtet, wie schnell sich sein Herz nach jedem Anstieg wieder normalisiert. Genau diese Erholungsgeschwindigkeit und Flexibilität, und nicht eine einmalige Momentaufnahme, bestimmen die wahre Widerstandsfähigkeit des Körpers gegenüber dem Altern.
DELTA unterstreicht die Grenzen traditioneller Ansätze zur Langlebigkeit, bei denen selbst KI oft mit statischen Daten arbeitet. Personalisierte Protokolle, die auf kontinuierlicher Überwachung basieren, könnten unser Verständnis von gesundem Altern grundlegend verändern, erfordern aber Vorsicht: Die Daten eines einzelnen Forschers ersetzen keine umfassenden klinischen Studien. Letztendlich zeigen solche Experimente, dass Altern keine feste Größe ist, sondern ein Prozess, der in Echtzeit verfolgt und beeinflusst werden kann.

