Tätigkeitstheorie als Basis für die Lehrerausbildung zur Erstellung von KI-Agenten

Bearbeitet von: Olga Samsonova

An einer Moskauer Schule hat ein Informatiklehrer innerhalb einer Woche aus fertigen Modulen einen KI-Agenten entwickelt, der Algebra-Fehler von Schülern analysiert und individuelle Aufgaben vorschlägt. Dabei musste er keine einzige Zeile Code selbst schreiben.

Die Methode basiert auf der Tätigkeitstheorie von A. N. Leontjew und Y. Engeström. Forscher von arXiv (abs/2605.12934) beschreiben, wie sechs Systemkomponenten – Subjekt, Objekt, Werkzeuge, Gemeinschaft, Regeln und Arbeitsteilung – Pädagogen dabei unterstützen, die abstrakte Aufgabe der Agentenerstellung in eine konkrete Abfolge von Handlungen zu überführen.

Zuerst definiert die Lehrkraft das Objekt, wie zum Beispiel die Entlastung bei der Testkorrektur. Dann wählt sie die Werkzeuge aus, etwa fertige Plattformen wie Teachable Machine oder LangChain. Anschließend werden die Regeln festgelegt: Schülerdaten verbleiben in der Schule, und der Agent trifft keine Entscheidungen ohne die Bestätigung durch den Pädagogen. Die Kollegenschaft diskutiert Einsatzszenarien, während die Arbeitsteilung die Rollen verteilt – von der Datenverantwortung über die Ethikprüfung bis hin zur Unterrichtsintegration. Ein solches Schema ermöglicht es Lehrkräften, die KI nicht als „Blackbox“, sondern als steuerbares System zu begreifen.

Vorläufige Daten einer Pilotstudie in drei russischen Regionen belegen, dass 78 % der Teilnehmer nach einem 24-stündigen Kurs in der Lage waren, eigenständig einen Agenten für ihr jeweiliges Fachgebiet zu implementieren. Allerdings ist die Stichprobe klein, es gab keine Kontrollgruppe und die langfristigen Auswirkungen auf die Schülerleistungen wurden noch nicht gemessen. Kritiker weisen zudem auf das Risiko hin, dass Lehrer ohne tiefes Verständnis der Algorithmen den Ergebnissen des Agenten blind vertrauen könnten.

Der Ansatz verdeutlicht das Spannungsfeld zwischen der zunehmenden Verfügbarkeit von KI-Werkzeugen und dem anhaltenden Zeitmangel der Pädagogen bei deren Aneignung. Wenn die Erstellung eines Agenten zum Teil der alltäglichen Praxis statt eines isolierten Projekts wird, sinkt zwar die Einstiegshürde, doch gleichzeitig wächst die Abhängigkeit der Schulen von externen Plattformen und deren Datenschutzrichtlinien.

Die zentrale Frage ist nun nicht mehr, ob Lehrkräfte KI-Agenten erschaffen können, sondern welche Regeln und Gemeinschaften sie um diese Werkzeuge herum aufbauen, um die Kontrolle über den Bildungsprozess zu behalten.

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Quellen

  • An Activity-Theoretical Approach to Teacher Professional Development in Pedagogical AI Agent Design

  • arXiv cs.CY new submissions, 14 мая 2026

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