Unsichtbare Filmhelden: 9 faszinierende Fakten über Doubles, über die Hollywood schweigt

Autor: Tatyana Hurynovich

Unsichtbare Filmhelden: 9 faszinierende Fakten über Doubles, über die Hollywood schweigt-1

Sicherlich ist Ihnen schon aufgefallen, dass Schauspielerinnen in Filmen oft nur von hinten, in der Totalen oder lediglich ihre Hände im Bild zu sehen sind. In den meisten Fällen handelt es sich dabei nicht um den Star selbst, sondern um ein Double.

Das ist kein Geheimnis, sondern gängige Praxis in der Filmindustrie, die durch die ökonomischen Zwänge des Drehprozesses diktiert wird. Die Drehzeit der Hauptdarsteller ist extrem kostspielig und ihre Verfügbarkeit streng limitiert. Während sich die Schauspielerin auf anspruchsvolle Dialogszenen vorbereitet, sich in der Garderobe ausruht oder an einem anderen Set dreht, übernimmt ihr Double die technischen Einstellungen: den Flur entlanggehen, eine Tür öffnen oder ein Glas halten. Dank geschickter Montage bemerkt das Publikum diesen Austausch nicht, während das Studio tausende Dollar und wertvolle Drehzeit einspart.

Doch Aufnahmen vom Rücken sind nur ein kleiner Teil dessen, was Doubles am Set leisten. Schauen wir uns an, welche weiteren Aufgaben sie im Produktionsalltag übernehmen.

1. Sie werden manchmal nur wegen ihrer… Handgelenke gebucht

Danielle Sepulveres ist ein Profi-Double. In ihrem Lebenslauf stehen Dutzende von Filmen und Serien. Aber wissen Sie, was das Erstaunlichste ist? Gelegentlich wurde sie ausschließlich wegen ihrer Hände engagiert.

Sie trat in Kosmetikwerbungen auf, in denen Nahaufnahmen zeigten, wie jemand Creme aufträgt. Sie rührte stellvertretend für Brooke Shields einen Salat an. In der Serie „The Good Wife“ reichte sie Dokumente weiter, schrieb Listen und goss Wein ein.

Einmal hörte sie am Set, wie sich der Regisseur darüber beklagte, dass sich ihre Handgelenke „zu sehr“ von denen der Hauptdarstellerin unterschieden. Sie wurde zwar nicht gefeuert, aber ihr war klar: Allein wegen der Form ihrer Handgelenke hätte sie ersetzt werden können.

Fazit: In Hollywood gibt es Menschen, deren Karriere von der Ästhetik ihrer Hände abhängt.

2. Sie kommen nicht nur bei Stunts zum Einsatz

Wir denken meistens: Double gleich Stuntman. Tatsächlich gibt es jedoch verschiedene Arten von Doubles:

  • Stunt double – für gefährliche Szenen
  • Body double – für Nacktszenen oder spezifische Körperansichten
  • Hand double – ausschließlich für die Hände
  • Photo double – für Massenszenen, in denen das Gesicht, aber kein schauspielerisches Talent gefragt ist
  • Stand-in – erscheint gar nicht im Film, sondern vertritt den Schauspieler nur beim Licht-Setting

Besonders interessant: Sie werden aufgrund von Gewerkschaftsvorgaben engagiert. Nach den Regeln der SAG (Screen Actors Guild) müssen Schauspieler eine Ruhezeit von mindestens 12 Stunden zwischen den Drehtagen einhalten. Wenn sich die Dreharbeiten in die Länge ziehen, wird das Double eingesetzt, um den Vertrag nicht zu verletzen.

3. Schauspieler können bei der Wahl ihres Doubles sehr empfindlich reagieren

Die Casting-Direktorin von „Titanic“, DiDi Ricketts, erklärte: „Die Auswahl eines Doubles ist ein Minenfeld. Wir dürfen niemanden nehmen, der zu dünn, zu schön, zu schwer oder zu alt ist. Sonst denkt der Schauspieler: ‚So sehen die mich also!‘“

Viele Stars fordern ein Vetorecht bei der Wahl ihres Doubles. Manche lassen dies sogar vertraglich festschreiben. Stellen Sie sich vor: Sie müssen der Berühmtheit ähneln, aber nicht so sehr, dass sie Komplexe bekommt.

4. Es kann sein, dass sie den Schauspieler, den sie doubeln, NIE treffen

Die dänische Schauspielerin Elvira Friis arbeitete als Double für Charlotte Gainsbourg in Lars von Triers Film „Nymphomaniac“. Sie drehte die expliziten Szenen. Und wissen Sie was? Sie ist Charlotte Gainsbourg kein einziges Mal begegnet.

„Das Nächste, was ich mit Charlotte zu tun hatte, war, dass ich ihr Kleid trug“, gestand Friis.

5. …oder sie verbringen ganze Tage miteinander

Andererseits spielt Noomi Rapace im Film „What Happened to Monday?“ (2017) sieben identische Schwestern. Ohne Doubles war dies unmöglich. Rapace trainierte ihre Doubles persönlich: wie sie sich bewegen, wie sie sprechen und wie sie jede einzelne Schwester verkörpern sollten.

In „Game of Thrones“ arbeitete Lena Headey (Cersei) für eine Nacktszene mit dem Double Rebecca Van Cleave zusammen. Headey erklärte ihr persönlich, wie sich ihr Charakter bewegen sollte und was sie dabei empfindet. Später drehte Headey dieselbe Szene selbst in einem beigefarbenen Kleid, das nachträglich am Computer entfernt wurde. Im Endergebnis sah das Publikum Headeys Gesicht auf dem Körper des Doubles.

6. Sie sehen den Schauspielern nicht immer ähnlich

Brett Baker war das Double von Leonardo DiCaprio in „Titanic“. Das Problem? Er war einige Zentimeter kleiner als DiCaprio und sieben Jahre älter. Von vorne hätte man niemals geglaubt, dass dies Jack Dawson sei.

Aber wenn er von hinten oder oben, in derselben Kleidung und mit derselben Frisur gefilmt wurde, passte er perfekt.

Fazit: Ein Double muss nicht dem Schauspieler gleichen, sondern dem Bild, das die Kamera vom Schauspieler einfängt.

7. CGI hat ihre Arbeit noch unsichtbarer gemacht

Heutzutage ermöglicht es die Technik, in der Postproduktion das Gesicht des Schauspielers auf den Körper des Doubles zu projizieren. Das bedeutet, dass das Double vollständig im Bild sein kann, das Publikum aber das Gesicht des Stars sieht.

Das bekannteste Beispiel: Paul Walker verunglückte mitten in den Dreharbeiten zu „Fast & Furious 7“ tödlich. Um den Film fertigzustellen, setzten die Macher seine Brüder und andere Schauspieler als Doubles ein und legten Paul Walkers digitales Gesicht über deren Körper. In der finalen Filmfassung gibt es 260 Einstellungen mit Walkers Doubles.

8. Sie werden engagiert, aber vielleicht NIE eingesetzt

Laura Grady wurde als Double für Robin Wright im Film „State of Play – Stand der Dinge“ (2009) gebucht. Sie saß in ihrem Wohnwagen, bereit für den Einsatz. Am Ende spielte sie in keiner einzigen Szene mit.

„Robin entschied sich, ihre Nacktszenen doch selbst zu drehen“, erzählte Grady.

So etwas kommt oft vor. Eine Schauspielerin ist anfangs vielleicht schüchtern, gewöhnt sich dann ans Set und sagt: „Na gut, ich mache es selbst.“ Oder die Szene wird geändert, und die Nacktheit ist nicht mehr erforderlich.

Gute Nachricht: Das Double wird trotzdem bezahlt.

9. Wie viel verdienen sie?

Hier beginnt die harte Realität.

Durchschnittliches Gehalt eines Stunt-Doubles in den USA:

  • 17,23 $ pro Stunde (im Durchschnitt)
  • 980 $ pro Tag für einen 8-Stunden-Tag (nach Gewerkschaftstarif)
  • 50.000–100.000 $ pro Jahr (durchschnittliches Jahreseinkommen)

Top-Doubles bei großen Blockbustern können 200.000–250.000 $ pro Jahr verdienen.

Doch zum Vergleich: Selbst ein Nachwuchsschauspieler mit einer kleinen Nebenrolle kann an einem einzigen Drehtag mehr verdienen als ein Double in einer ganzen Arbeitswoche.

Warum? Weil das Double ein „unsichtbarer“ Mitarbeiter ist. Sein Gesicht wird nie gezeigt. Sein Name erscheint nicht im Abspann – oder höchstens ganz am Ende in winziger Schrift. Sein Job ist es, unbemerkt zu bleiben.

Das große Paradoxon des Berufs

Doubles erledigen die Arbeit, die Stars nicht können oder wollen. Sie riskieren ihr Leben bei Stunts. Sie ziehen sich vor der Kamera aus. Sie arbeiten 14 Stunden am Tag, während die Stars sich ausruhen.

Doch ihr Erfolg bemisst sich daran, wie unbemerkt ihre Arbeit bleibt. Wenn Sie einen Film gesehen und das Double nicht bemerkt haben, hat es seinen Job perfekt gemacht.

Wenn Sie das nächste Mal eine Szene sehen, in der eine Schauspielerin von hinten zu sehen ist oder nur ihre Hände im Bild sind, denken Sie daran: Es könnte jemand ganz anderes sein.

 

26 Ansichten
Haben Sie einen Fehler oder eine Ungenauigkeit festgestellt?Wir werden Ihre Kommentare so schnell wie möglich berücksichtigen.