In einem ostantarktischen Eiskern vom Standort Mount Brown South haben Wissenschaftler mikroskopisch kleine Fragmente von Vulkanglas – sogenannte Kryptotephra – entdeckt, die durch Winde über weite Strecken herangetragen und im Eis und Schnee der Küstenregion konserviert wurden.
Die am 19. Juni 2026 von der Australian Antarctic Program Partnership veröffentlichte Studie wurde von einem internationalen Team unter der Leitung der University of Tasmania durchgeführt. In der Fachzeitschrift Climate of the Past wird eine Pilotanalyse des rund 300 Meter langen Bohrkerns beschrieben, der in den Jahren 2017–2018 entnommen wurde. Die Forscher konzentrierten sich dabei auf das Satellitenzeitalter – den Zeitraum von 1979 bis 2017 – und bestätigten, dass selbst kleinste, mit bloßem Auge nicht erkennbare Aschepartikel tausende Kilometer zurücklegen und im antarktischen Eis eingelagert werden können.
Dr. Meg Harlan, die Hauptautorin der Studie, betonte, dass der Bohrkern neue Einblicke in den Vulkanismus der Südhalbkugel, die atmosphärische Zirkulation sowie die klimatischen Auswirkungen von Eruptionen ermöglicht. Zwei Schichten von Kryptotephra konnten spezifischen Ereignissen zugeordnet werden: dem Ausbruch des Vulkans Erebus auf der antarktischen Ross-Insel im Jahr 1985 und der gewaltigen Eruption des chilenischen Vulkans Cerro Hudson im Jahr 1991. Letzteres Ereignis stellt den ersten bestätigten Nachweis von Asche dieser Eruption im antarktischen Eis dar.
Die Suche nach solchen Spuren wird oft mit der „Nadel im Heuhaufen“ verglichen, da vulkanische Schichten in antarktischen Bohrkernen äußerst selten sind und über Dutzende oder gar Hunderte Meter Eis verteilt sein können. Das Team entwickelte eine neue Methode, bei der atmosphärische Transportmodelle mit chemischen Signaturen direkt im Eis kombiniert werden. Dies ermöglichte eine gezielte Probenentnahme und reduzierte den Arbeitsaufwand erheblich.
Der Erfolg der Studie belegt, dass die Transportwege der Asche komplexer sind als bisher angenommen: Das Material stammt nicht nur aus nahegelegenen antarktischen Quellen, sondern auch aus Südamerika. Solche Funde tragen dazu bei, Eisarchive präziser zu datieren, indem sie die Signale verschiedener Eruptionen voneinander abgrenzen, und verbessern das Verständnis darüber, wie vulkanische Aktivität Klimaschwankungen in der Vergangenheit beeinflusste.
Der Bohrkern von Mount Brown South stammt aus einer Region, in der Luftströmungen über dem südlichen Indischen Ozean Material aus verschiedenen Breitengraden herantragen, was ihn zu einem wertvollen Archiv für Informationen über den Vulkanismus der Südhalbkugel macht. Zukünftige Untersuchungen könnten die Datenbasis zu südlichen Eruptionen erheblich erweitern und Klimamodelle weiter präzisieren.
Ein besseres Verständnis darüber, wie und wo die Spuren vergangener Eruptionen erhalten bleiben, ermöglicht eine genauere Bewertung ihres Einflusses auf die Klimaarchive.

