In Russland tritt das Thema Kryptowährungen erneut auf die Bremse: Die Zentralbank plant, den regulatorischen Rahmen erst bis November 2026 fertigzustellen. Während der Gesetzentwurf „Über digitale Währungen und digitale Rechte“ auf die zweite Lesung vorbereitet wird, stellt die Moskauer Börse den Handelsstart in Aussicht, sobald die Dokumente unterzeichnet sind. Ein voll funktionsfähiger Markt wird Schätzungen zufolge erst im Jahr 2027 entstehen.
Der erste stellvertretende Vorsitzende der Zentralbank, Wladimir Tschistjuchin, erklärte unmissverständlich, dass die Durchföhrungsverordnungen im Oktober oder – im günstigsten Szenario des Justizministeriums – bereits Anfang November vorliegen werden. Anatoli Aksakow aus der Staatsduma zeigt sich überzeugt, dass die konzeptionelle Regulierung „brillant“ gelöst sei. Hinter dieser Zuversicht verbirgt sich jedoch die gewohnte Vorsicht der Aufsichtsbehörde: hohe Volatilität, Sanktionsrisiken und das Bestreben, einen Kapitalabfluss in unkontrollierte Kanäle zu verhindern.
Die Interessenlagen sind eindeutig. Banken und Broker sehen in Krypto eine neue Einnahmequelle für Provisionen und eine Möglichkeit zur Portfoliodiversifizierung – bei aktiven Kunden wird ein Anteil von bis zu 7–10 % erwartet. Die Moskauer Börse ist bereit für den Handel, beschränkt sich jedoch auf Bitcoin und Ether: Eine Marktkapitalisierungsgrenze von 5 Billionen Rubel und ein tägliches Handelsvolumen von einer Billion Rubel schließen alles andere aus. Fondsgesellschaften berechnen bereits das Volumen künftiger Fonds und ziehen Vergleiche zum Goldmarkt. Kryptobörsen und -wechsler befürchten hingegen, dass Kunden zur Börse abwandern könnten, wo die Preise niedriger und die Margen geringer sind.
Der Sanktionsfaktor sorgt für eine gewisse Ironie. An der Moskauer Börse erworbene Kryptowährungen riskieren, für ausländische Handelsplätze „toxisch“ zu werden, weshalb viele Investoren weiterhin ausländische Dienste bevorzugen. Im Grunde baut der Regulator ein Parallelsystem auf, das isoliert bleiben könnte. Dabei handelt es sich nicht bloß um eine bürokratische Verzögerung, sondern um den Versuch, eine hochvolatile Anlageklasse in das starre Korsett der traditionellen Finanzarchitektur zu pressen, in der jeder Schritt auf seine Widerstandsfähigkeit gegenüber externen Schocks geprüft wird.
Man stelle sich einen Fluss vor, der in Betonkanäle geleitet werden soll: Das Wasser wird immer noch Ritzen finden, aber die Fließgeschwindigkeit und das Ausmaß von Überschwemmungen lassen sich so kontrollieren. Ähnlich verhält es sich mit Krypto: Strenge Kriterien und eine schrittweise Einföhrung senken die Risiken für Privatanleger, schränken aber gleichzeitig die Auswahl und die Geschwindigkeit der Integration ein. Wer derzeit aktiv auf ausländischen Plattformen handelt, wird kaum sofort auf den heimischen Markt umsteigen.
Der Aufschub verschafft auch den Anlegern selbst Zeit. Solange es keine klaren Regeln für die Verwahrung und Depots gibt, bleiben Investitionen in digitale Vermögenswerte ein Lotteriespiel mit zusätzlichen rechtlichen Risiken. Wie das alte Sprichwort sagt: „Еile mit Weile“ – besonders wenn es um Geld geht, das schneller verschwinden kann, als die Aufsicht reagieren kann.
Letztendlich wird der russische Kryptomarkt im Jahr 2027 voraussichtlich konservativ, begrenzt und auf qualifizierte Akteure ausgerichtet sein – doch genau so will ihn die Zentralbank sehen.

