Singapur liegt im Oktober-Ranking Henley Passport Index des Jahres 2026 auf dem ersten Platz: Sein Pass öffnet den Zugang zu 193 Zielen ohne vorheriges Visum. Im Juli hatte Singapur 192 Ziele, sodass die Führung nicht nur erhalten bleibt, sondern sich festigt. Hinter dieser Zahl steht nicht nur das Dokument selbst, sondern auch das diplomatische Netz des kleinen Stadtstaats, das seinen Bürgern das Reisen nahezu ohne Formalitäten ermöglicht, während viele andere Pässe wegen veränderter Visapolitik an Boden verlieren.
Japan, Südkorea und die Vereinigten Arabischen Emirate teilen sich den zweiten Platz: Jedes dieser Länder gewährt seinen Bürgern Zugang zu 188 Zielen. Schweden folgt auf dem dritten Platz mit 187 Zielen. Den vierten Platz teilen sich gleich elf europäische Staaten – Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Deutschland, Irland, Italien, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen und Spanien –, von denen jeder 186 Ziele hat. Diese Dichte europäischer Pässe in der oberen Tabellenhälfte zeigt, dass ihre Stärke auf einem Netz gegenseitiger visumfreier Abkommen und auf der Stabilität der Beziehungen zwischen den Staaten beruht.
Indien ist um eine Zeile gestiegen und belegt nun den 84. Platz zusammen mit Algerien und Mauretanien. Doch die Freude ist verfrüht: Die Zahl der Ziele, in die ein indischer Bürger ohne Visum einreisen kann, ist von 57 im Oktober 2025 auf 55 gesunken. Ein Teil dieses Rückgangs erklärt sich durch Entscheidungen anderer Staaten: Der Iran hat im November 2025 die visumfreie Einreise für Inder eingestellt, und Bolivien ist vom Visum bei der Ankunft zum elektronischen Visum übergegangen, das im Voraus beantragt werden muss. Ein gestiegener Rang bei weniger Zielen wirkt paradox, doch die Logik ist einfach: Der Index ordnet Pässe relativ zueinander ein, und ein Land kann in der Tabelle steigen, wenn Konkurrenten schneller Zugang verlieren. Im Februar, nach der Rückkehr Gambias in die Liste, erreichte der Wert zeitweise 56, doch bis Oktober kehrte er zu 55 zurück.
Eine wichtige Einschränkung: Der Index berücksichtigt nicht nur die visumfreie Einreise. In seine Berechnung fließen auch das Visum bei der Ankunft und einige elektronische Einreisegenehmigungen ein. Daher bedeutet die Zahl 55 nicht, dass man in all diesen Ländern einfach ohne Vorbereitung aus dem Flugzeug steigen kann.
Das Vereinigte Königreich belegt den sechsten Platz mit 184 Zielen. Gemeinsam mit ihm stehen Ungarn, Malaysia und Polen auf dieser Position, und zu Beginn des Jahres 2026 lag der britische Pass auf dem siebten Platz. Die USA teilen sich den zehnten Platz mit Island, jedes Land hat 180 Ziele. Für den amerikanischen Pass ist das ein spürbarer Abstieg: Im Jahr 2006, als der Index gerade erschien, teilten sich die USA den ersten Platz und hatten etwa 130 Ziele. Heute ist ihr Zugang breiter geworden, doch die übrigen Länder haben ihre visumfreien Abkommen noch schneller ausgeweitet, und das hat die USA nach unten gedrückt. Nach den Berechnungen des Index stehen derzeit gut dreißig Pässe formal über dem amerikanischen.
Den Abschluss des Rankings bildet Afghanistan, dessen Pass Zugang zu insgesamt 22 Zielen eröffnet. Der Abstand zwischen Spitzenreiter und Schlusslicht ist enorm und zeigt, wie ungleich die Mobilität in der Welt verteilt ist.
Der Henley Index basiert auf Daten der International Air Transport Association (IATA) und umfasst 199 Pässe und 227 Ziele. Er erinnert daran, dass Reisefreiheit kein dauerhaftes Privileg ist, sondern das Ergebnis diplomatischer Arbeit, die sich schnell ändern kann. Vor einer Reise sollte man die aktuellen Einreiseregeln prüfen: Wie die Änderungen für den Iran und Bolivien zeigen, können sich die Bedingungen innerhalb weniger Monate völlig anders darstellen.


