Sommer, Sonnenschein und die verlockende Frische eines Flusses oder Sees – wenn Sie mit Ihrem Welpen das erste Mal am Ufer stehen, ist die Versuchung groß, einfach ins Tiefe zu gehen und den Hund „instinktiv“ losschwimmen zu lassen. Doch wir müssen mit einem weit verbreiteten Irrtum aufräumen: Hunde kommen nicht mit der Fähigkeit zu schwimmen auf die Welt, sie werden lediglich mit dem Reflex geboren, mit den Pfoten zu paddeln!
Sich über Wasser zu halten, ohne Angst richtig zu atmen und nicht in Panik zu geraten, will jedoch gelernt sein. Als Besitzer ist es Ihre Aufgabe, dem kleinen Vierbeiner als vertrauensvoller Trainer zur Seite zu stehen und für seine Sicherheit zu garantieren.
Anatomie spielt eine Rolle: Wer ist zum Schwimmen geboren?

Bevor Sie mit dem Training beginnen, ist es wichtig, die körperlichen Voraussetzungen Ihres Tieres objektiv einzuschätzen.
* Geborene Schwimmer: Retriever, Neufundländer, Spaniels, Portugiesische Wasserhunde und Pudel. Sie verfügen über Schwimmhäute zwischen den Zehen, wasserabweisendes Fell sowie eine kräftige Muskulatur. Sie lieben das Wasser und begreifen die Abläufe im Nu.
* „Risikogruppe“: Dackel, Corgis und Basset Hounds. Diese Rassen haben einen langen Körper und kurze Beine. Sie können zwar schwimmen, ermüden jedoch sehr schnell und sind daher zwingend auf eine Weste angewiesen.
* Wem das Schwimmen schwerfällt oder schaden kann: Brachyzephale Rassen (Bulldoggen, Möpse, Pekinesen) sowie Hunde mit schwerem Brustkorb (Staffords, Pitbulls). Aufgrund der kurzen Schnauze fällt es ihnen schwer, die Nase über Wasser zu halten und zu atmen, während die schwere Vorderpartie nach unten zieht. Baden bedeutet für sie: nur im flachen Wasser und strikt mit Rettungsweste.
Schritt-für-Schritt-Anleitung: Vom Ufer bis zu den ersten Zügen
Die wichtigste Regel lautet: kein Zwang und kein Stress. Falls Sie den Welpen ins Wasser werfen, „damit er es von selbst lernt“, riskieren Sie eine lebenslange Kynophobie (Angst vor Wasser).
Schritt 1. Das Ufer kennenlernen
Suchen Sie eine seichte Stelle auf. Lassen Sie den Welpen Sand und Gras beschnuppern und das Wasser mit der Pfote erkunden. Ziehen Sie ihn nicht an der Leine ins Tiefe. Loben Sie ihn mit ruhiger Stimme und geben Sie ihm direkt an der Wasserkante Leckerlis. Das Wasser muss positiv besetzt sein.
Schritt 2. Gehen Sie gemeinsam hinein
Welpen fürchten sich oft vor dem Wasser, weil es den Blick auf den Boden verbirgt. Gehen Sie selbst hinein, gehen Sie in die Hocke und rufen Sie den Kleinen zu sich. Lassen Sie ihn Ihnen folgen. Sobald ihm das Wasser bis zur Brust reicht, wird er spüren, dass die Pfoten den Bodenkontakt verlieren. Unterstützen Sie ihn in diesem Moment vorsichtig mit der Handfläche unter seinem Bauch.
Schritt 3. Die ersten Schwimmzüge
Wenn der Welpe anfängt zu paddeln, ziehen Sie die Hand nicht sofort weg. Stützen Sie ihn weiter unter dem Bauch und führen Sie ihn sanft vorwärts. Sprechen Sie ihm gut zu: „Fein gemacht, schwimm!“. Vermitteln Sie ihm das Gefühl, dass Sie an seiner Seite sind und er nicht untergehen kann.
Schritt 4. Den Ausstieg üben!
Dies ist ein entscheidender Schritt, den viele übersehen. Der Welpe muss wissen, wie er ans Ufer zurückkehrt oder ein Becken verlässt. Führen Sie ihn an ein flaches Ufer, zeigen Sie ihm die seichten Stellen und helfen Sie ihm, den Boden mit den Pfoten zu „ertasten“. Falls es ein Pool ist: Führen Sie ihn zur Treppe und setzen Sie seine Pfoten gezielt auf die erste Stufe.
Goldene Sicherheitsregeln
1. Eine Rettungsweste ist Pflicht. Das gilt anfangs selbst für Labradore. Sie gibt dem Hund nicht nur Auftrieb, sondern besitzt meist einen Griff am Rücken, an dem Sie Ihr Tier jederzeit schnell sichern können.
2. Achten Sie auf die Zeit. Ein Welpe spürt seine Erschöpfung im Wasser oft nicht. Fünf bis zehn Minuten für den ersten Versuch sind das Maximum. Wenn das Hinterteil absinkt oder der Hund schwer atmet, holen Sie ihn sofort aus dem Wasser.
3. Wassertemperatur. Lassen Sie den Welpen nicht in zu kaltem Wasser schwimmen. Er unterkühlt schnell, und Krämpfe im Wasser sind lebensgefährlich.
4. Vorsicht vor Strömung und Algen. Wählen Sie ruhige, saubere Gewässer ohne Strömung, steile Kanten am Boden oder dichte Pflanzen, in denen sich der Hund verfangen könnte.
5. Kein Wasser trinken lassen. Fluss- und Seewasser ist oft mit Bakterien und Parasiten belastet. Achten Sie darauf, dass der Welpe beim Spielen kein Wasser schluckt. Nehmen Sie immer eine Flasche mit frischem Trinkwasser mit.
Pflege nach dem Schwimmen
Das Badevergnügen endet nicht am Ufer. Um die Gesundheit Ihres Tieres zu schützen, beachten Sie drei einfache Punkte:
* Mit Süßwasser abspülen. Fluss- oder Meerwasser trocknet die Haut aus und kann Reizungen hervorrufen. Spülen Sie Rückstände aus dem Gewässer daher unbedingt ab.
* Ohren trocknen. Schlappohren (wie bei Spaniels) halten die Feuchtigkeit fest. Tupfen Sie die Gehörgänge vorsichtig mit einem trockenen Wattepad oder Tuch aus, um Entzündungen vorzubeugen.
* Fell trocknen lassen. Wenn es kühl ist, sollte der Welpe nicht nass im Wind stehen. Trocknen Sie ihn mit einem Handtuch ab oder nutzen Sie einen Föhn (auf kühler Stufe, sofern der Hund keine Angst vor dem Geräusch hat).
Schwimmen zu lernen ist nicht nur Sport, sondern eine Frage der Sicherheit. Die Fähigkeit, sich sicher im Wasser zu bewegen und vor allem zu wissen, wie man es wieder verlässt, kann Ihrem Hund im Ernstfall das Leben retten.
Seien Sie geduldig, loben Sie jeden Erfolg, und schon bald werden Sie miterleben, wie Ihr Welpe zur souveränen „Wasserratte“ wird, die Ihnen voller Freude ein nasses Spielzeug aus dem Wasser bringt!



