Bei einer Fußball-Weltmeisterschaft werden nicht nur die Spieler zu Stars. In Mexiko-Stadt hat Osito die Herzen der Fans im Sturm erobert – ein achtjähriger, aus dem Tierschutz geretteter Pudel-Mischling, der auf dem speziell ausgestatteten Lastenrad seines Besitzers durch die Stadt reist.
Zu den Spielen und in die Fanzonen kommt Osito wie ein waschechter mexikanischer Fan: im Trikot der Nationalmannschaft, mit Kappe und Sonnenbrille. Der Hund thront gelassen in seinem weich gepolsterten Abteil, als wäre er den Trubel der Massen, die Kameras und die lautstarke Begeisterung schon lange gewöhnt.
Als Osito vor dem Auftaktspiel der mexikanischen Nationalmannschaft am Stadion auftauchte, hielten die Fans inne, um ihn zu streicheln, Fotos zu machen oder Videos zu drehen. Schon wenige Stunden später schaffte es der ungewöhnliche Beifahrer in die Fernsehberichte, während Clips von ihm in den sozialen Netzwerken viral gingen.
Mehr als nur ein niedliches Kostüm
Der Besitzer von Osito heißt Jorge Rangel. Er arbeitet als Kurier und nimmt den Hund bereits seit rund zwei Jahren auf seine täglichen Fahrten durch Mexiko-Stadt mit. Alles begann durch einen Zufall: Eines Tages setzte Jorge Osito in die Transportbox seines Fahrrads und unternahm eine kurze Spritztour. Dem Hund gefiel die Fahrt so gut, dass sein Herrchen Kissen hinzufügte, die Konstruktion optimierte und seinen treuen Begleiter allmählich auf immer längere Reisen mitnahm.
Mittlerweile begleitet Osito Jorge fast überallhin. Er sitzt dabei so reglos und entspannt auf dem Rad, dass Passanten ihn gelegentlich erst für ein Stofftier halten.
Doch die Popularität des Hundes gründet sich nicht nur auf seine drolligen Outfits. Die Menschen sind tief berührt von der offensichtlichen Verbundenheit zwischen Osito und seinem Besitzer.
Ein Hund, der durch eine schwere Zeit half
Jorge holte Osito in einer schwierigen Lebensphase aus dem Tierheim. Seinen Worten zufolge war es ausgerechnet dieser Hund, der ihm half, emotionale Krisen zu bewältigen und zu seinem unverzichtbaren täglichen Begleiter wurde.
Osito bellt nur selten, doch wenn sein Herrchen versucht, ohne ihn aufzubrechen, protestiert er sofort. Deshalb schwingen sie sich fast jeden Morgen gemeinsam auf das Fahrrad und erkunden die Straßen der mexikanischen Hauptstadt.
Passanten erzählen Jorge oft, dass die Begegnung mit Osito ihre Stimmung nach einem harten Tag schlagartig aufgehellt hat. Kinder eilen herbei, um den Hund zu kraulen, während Erwachsene um gemeinsame Fotos bitten und Fußballfans ihn als inoffizielles Maskottchen des Turniers feiern.
Der kleine Bär der großen Weltmeisterschaft
Der Name Osito bedeutet aus dem Spanischen übersetzt „Bärchen“. Und während der Weltmeisterschaft hat es der kleine „Bär“ tatsächlich geschafft, in Sachen Beliebtheit mit berühmten Fußballstars und den offiziellen Maskottchen zu konkurrieren.
Doch für Jorge zählen weder der Internet-Ruhm noch die Fernsehberichte. Ihn freut es schlichtweg, dass die Menschen die Freundschaft zwischen einem Mann und einem geretteten Hund wahrnehmen und für einen kurzen Moment lächeln müssen.
Während die Mannschaften um den Pokal kämpfen, tourt Osito weiter durch Mexiko-Stadt, sammelt Selfies und erinnert uns daran: Manchmal findet das herzerwärmendste Ereignis eines großen Fußballfests nicht auf dem Rasen statt, sondern auf dem Rücksitz eines gewöhnlichen Fahrrads.
Ein Video von Osito wurde von Euronews veröffentlicht: Darin ist zu sehen, wie er durch Mexiko-Stadt reist und geduldig für die Fans posiert.


