Gerüchte in den diplomatischen Zirkeln des Nahen Ostens entstehen selten grundlos, insbesondere wenn sie Jerusalem betreffen. Die jüngste Enthüllung des Nachrichtenportals „Middle East Eye“ schlug ein wie eine Bombe: Angeblich erörtern die USA und Israel Pläne, Jordanien seinen historischen Status als Hüter des Tempelbergs und der Al-Aqsa-Moschee zu entziehen. Das Weiße Haus wies diese Meldungen zwar umgehend als „völlig falsch“ zurück, doch die Welle der Besorgnis in der arabischen Welt lässt sich nicht mehr eindämmen. Was verbirgt sich hinter dieser Entwicklung und warum ist der Status quo des Heiligtums für die globale Sicherheit so entscheidend?
Die haschemitische Schutzherrschaft über die christlichen und muslimischen Stätten Jerusalems besteht bereits seit 1924. Dieser Sonderstatus wurde sogar im Friedensvertrag zwischen Israel und Jordanien von 1994 offiziell festgeschrieben. Nach den geltenden Regeln verwaltet der jordanische Waqf-Rat das religiöse Leben innerhalb der Anlage, während Israel für die äußere Sicherheit verantwortlich ist. Nicht-Muslime dürfen das Areal zwar betreten, das Gebet ist ihnen dort jedoch untersagt.
Quellen zufolge sieht ein Plan, der angeblich vom US-Botschafter Mike Huckabee und Jared Kushner forciert wird, die Umwandlung der Al-Aqsa in ein offenes, multikonfessionelles Touristenzentrum vor. Dies würde einen gleichberechtigten Zugang für Juden und eine formelle Genehmigung für Gemeinschaftsgebete bedeuten. Einerseits klingt das Konzept eines „gemeinsamen Raumes der drei abrahamitischen Religionen“ für westliche Ohren harmonisch und inklusiv. In der Praxis jedoch wirkt dies für zwei Milliarden Muslime wie die Auslöschung der islamischen Identität einer ihrer bedeutendsten heiligen Stätten.
Die Palästinensische Autonomiebehörde und Jordanien haben bereits gewarnt, dass jeder Eingriff in den Status quo eine massive Sicherheitskrise heraufbeschwören würde. Solche Pläne werden mit den Ereignissen in der Höhle der Patriarchen in Hebron verglichen, die nach den tragischen Vorfällen von 1994 strikt in eine jüdische und eine muslimische Zone unterteilt wurde.
Selbst wenn das Weiße Haus die Vorbereitung eines solchen Dokuments aufrichtig bestreitet, spiegelt allein die Existenz solcher Diskussionen tektonische Verschiebungen in der Region wider. Versuche, die religiöse Verwaltung ohne Konsens der Hauptbeteiligten zu reformieren, könnten die Lage nicht beruhigen, sondern zum Auslöser neuer, unkontrollierbarer Spannungen werden. Ist die Außendiplomatie imstande, jahrhundertealte Spielregeln in Jerusalem neu zu schreiben, ohne das fragile Gleichgewicht zu zerstören? Die Frage bleibt offen, doch eines ist klar: Das Schicksal der Al-Aqsa ist kein Thema des Tourismus, sondern eine Frage des Weltfriedens.




