Die langjährige Debatte über den Nutzen eines abendlichen Glases Wein wurde nun einer digitalen Prüfung im bisher größten Maßstab unterzogen. Kardiologen stritten jahrelang darüber, ob mäßiger Alkoholkonsum das Herz tatsächlich schützt oder ob wir uns dies nur einreden. Mit dem Aufkommen von Big Data ist es jedoch deutlich schwieriger geworden, die Wahrheit zu verbergen.

Wissenschaftler griffen auf die Datenbank der UK Biobank zurück, um den Lebensweg von 340.000 Probanden über dreizehn Jahre hinweg zu verfolgen. Die Ergebnisse, die auf der Jahrestagung des American College of Cardiology (ACC.26) präsentiert wurden, rücken den gewohnten Blick auf den Inhalt unserer Gläser in ein neues Licht. Wie sich zeigte, steckt der Teufel dabei nicht nur in der reinen Menge, sondern auch in der Herkunft der Prozente.
Für Liebhaber von Bier, harten Spirituosen oder Cider sind die Nachrichten ernüchternd. Schon minimale Mengen dieser Getränke im Speiseplan korrelieren mit einem um 9 % höheren Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben. Im Gegensatz dazu verzeichnete moderater Weinkonsum jene fast schon „magische“ Senkung der Sterblichkeitsrate durch Herzprobleme um 21 % im Vergleich zu Abstinenten.
Bedeutet das nun, dass Wein die Gefäße heilt? Kardiologen raten dazu, nicht voreilig Schlüsse zu ziehen.
Ein wichtiges Detail: Menschen, die Wein bevorzugen, verfügen im Schnitt über ein höheres Einkommen, ernähren sich gesünder, rauchen seltener und sind körperlich aktiver.
Die geringere Sterblichkeitsrate unter Weinfreunden ist daher höchstwahrscheinlich ein Indikator für ihren allgemeinen Wohlstand und nicht auf eine angebliche Wunderwirkung des Ethanols zurückzuführen. Unser Körper identifiziert Alkohol grundsätzlich als Toxin, ganz gleich, wie teuer die Flasche war.
Zudem markierte die Studie eine klare Grenze, ab der die Kutsche gewissermaßen zum Kürbis wird. Sobald die Dosis etwa anderthalb Gläser pro Tag bei Frauen und drei Gläser bei Männern überstieg, spielte die Sorte des Getränks keine Rolle mehr. Bei stark trinkenden Personen schoss das Risiko eines vorzeitigen Todes jeglicher Ursache um 24 % in die Höhe, während die Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu sterben, unmittelbar um 36 % anstieg.
Diese Daten verändern die Herangehensweise an medizinische Empfehlungen. In Zukunft dürften Gesundheitsstandards zielgerichteter formuliert werden und Risiken je nach Getränkeart differenzieren. Das Hauptfazit bleibt jedoch unverändert: Wer bisher nicht getrunken hat, sollte der Gesundheit zuliebe sicher nicht damit anfangen. Und wer trinkt, sollte eher auf Qualität als auf Quantität achten und den restlichen Lebensstil nicht aus den Augen verlieren.
Warum ausgerechnet Wein?
Die Forscher vermuten, dass sich die Unterschiede wie folgt erklären lassen:
- Polyphenole und Antioxidantien (wie etwa Resveratrol) im Rotwein
- Der Kontext des Konsums: Wein wird häufiger zum Essen getrunken, während dies bei Spirituosen und Bier seltener der Fall istDer Artikel stützt sich auf eine reale, groß angelegte Studie, deren Daten auf der wissenschaftlichen Jahrestagung des American College of Cardiology (ACC.26) im März 2026 vorgestellt wurden. Wissenschaftler des Second Xiangya Hospital der Central South University (China) analysierten die Krankenakten von 340.924 Briten aus der UK Biobank und verfolgten deren Gesundheitszustand über einen Zeitraum von durchschnittlich 13 Jahren.
Kardiologen betonen jedoch: Keine medizinische Fachgesellschaft empfiehlt, mit dem Trinken von Alkohol zu beginnen, um die Herzgesundheit zu fördern. Die Vorteile von Polyphenolen lassen sich ebenso aus Trauben, Beeren, Tee und anderen alkoholfreien Quellen ziehen. Falls Sie bereits moderate Mengen konsumieren – etwa Wein – ist dies möglicherweise die risikoärmere Wahl für Ihr Herz-Kreislauf-System.
Wenn Sie nicht trinken, sollten Sie natürlich nicht damit anfangen: Der potenzielle Nutzen wiegt die Risiken (Krebs, Abhängigkeit, Verletzungen, Lebererkrankungen) keinesfalls auf.
Nachgewiesenermaßen wirksam für die Herzgesundheit sind die Mittelmeerdiät, körperliche Aktivität, Blutdruckkontrolle und der Verzicht auf das Rauchen – ganz ohne die Notwendigkeit von Alkohol.




