Es gibt Filme, die einen sofort mit den ersten Bildern packen, und solche, die eine besondere, fast schon genießerische Herangehensweise erfordern. Die französische Produktion „Mein Name ist Agneta“ gehört zweifellos zur zweiten Kategorie. Es ist ein Werk, das einen zutiefst berührt, zu Beginn jedoch ein wenig Geduld verlangt.
In den ersten Minuten mag es so wirken, als ziehe sich die Erzählung in die Länge und das Tempo sei etwas zu gemächlich. Aber halten Sie noch zehn Minuten durch! Sobald diese unsichtbare Hürde erst einmal genommen ist, finden Sie sich in einem Strudel unglaublicher Energie wieder. Der Film entfaltet sich, wird dynamisch, lebensfroh und ungemein genussvoll. Man könnte sagen: ein französischer, philosophischer und moderner Film, der zugleich zeitlos und unvergesslich bleibt. Genau deshalb bietet sich der Vergleich mit einem guten Wein an.
Dieses Werk strotzt nur so vor Lebensweisheit. Dabei zählt jedes Wort: Es ist wahrlich erfüllt von Sinn, statt einfach nur bis zum Überdruss mit abgedroschenen Phrasen vollgestopft zu sein. Der Regisseur serviert die Botschaften mit tadellosem Geschmack, viel Gefühl und der perfekten Akzentuierung. Es verhält sich wie bei einem erstklassigen Wein, den man nicht einfach nur trinkt, sondern dessen Bouquet man erst richtig erfühlen muss.
Die Protagonisten führen Dialoge, die man am liebsten als Zitate sammeln und wie ein Manifest der persönlichen Freiheit im Herzen tragen möchte:
— „Weißt du, wen ich am meisten um ihre Freiheit beneide? Die Franzosen! Sie trinken, essen ungesund und es ist ihnen völlig egal, was andere über sie denken.“
— „Wie kommst du eigentlich darauf, dass sich überhaupt jemand für dich interessiert? Schau hin, probiere es aus, und du wirst sehen, dass es allen völlig egal ist. Also geh los und tu das, wozu du dich bisher nie getraut hast! Und entschuldige dich nicht dafür!“
Diese Worte sind der Schlüssel zu jenem speziellen französischen Charme, den der Film so feinfühlig einfängt. Denn hier ist „französisch“ nicht bloß eine Nationalität, sondern ein Geisteszustand – eine Hymne auf die Befreiung:
— „Aber immerhin: Die Franzosen sind Menschen, die nicht urteilen, Menschen, die niemanden verurteilen!“
Publikum und Kritiker feiern „Agneta“ bereits als das neue „Ziemlich beste Freunde“. Dieser Vergleich ist absolut berechtigt: Man findet hier dieselbe sprühende Leichtigkeit, denselben lebensbejahenden Humor und eine wunderbare Wärme. Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied. In „Agneta“ ist niemand krank und niemand stirbt. Es ist keine Geschichte über die Bewältigung einer Tragödie, sondern über die reine Freude am Dasein und die Freiheit, im Hier und Jetzt man selbst zu sein.
— „Schau mich niemals so an. Ich will einfach nur tanzen. Alles, was ich will, ist tanzen.“
Dieser Seelenschrei durchbricht die vierte Wand und richtet sich direkt an den Zuschauer. Was hält eigentlich Sie davon ab, zu tanzen?
Der Film ist leichtfüßig, gespickt mit feinem Humor und einer tiefgründigen Weisheit, die mitten ins Herz trifft. Er hinterlässt ein wohlig-warmes Gefühl in der Brust.
Und glauben Sie mir: Wenn der Abspann läuft, werden Sie keine Sekunde der investierten Zeit bereuen. Ganz im Gegenteil – Sie werden den Drang verspüren, sofort nach draußen zu gehen, tief durchzuatmen und endlich damit aufzuhören, sich dafür zu entschuldigen, dass Sie Ihr eigenes Leben leben. Genau deshalb lautet die Gaya-Bewertung — 9,0/10



