Über tausend persönliche Skizzen von Karl Lagerfeld, die bis zu seinem Tod in seinem Privatarchiv verwahrt wurden, kommen bei Sotheby’s in Paris unter den Hammer. Es handelt sich dabei nicht bloß um Zeichnungen – es sind die Arbeitsnotizen eines Genies, das über ein Vierteljahrhundert lang seine Ideen erst auf Papier bannte, bevor sie in den Kollektionen von Chanel, Fendi und seinem eigenen Modehaus Gestalt annahmen.
For the first time, over 1,000 never-before-seen sketches, working documents, and personal archives from Karl Lagerfeld are set to go under the hammer. Swipe through for a first look, and register to bid now >> bit.ly/43Tr7U0 The sixth installment of this landmark
Die nunmehr sechste Auktion aus dem Nachlass des Designers findet vom 2. bis 8. Juli 2026 online statt, begleitet von einer Vorbesichtigung in Paris. Das Angebot umfasst einzelne Blätter und Konvolute von vier bis zwölf Zeichnungen sowie rund 200 iPods aus seiner legendären Sammlung und seltene Art-déco-Bänke aus den 1920er-Jahren.
Sämtliche Objekte werden mit einem Startpreis von nur einem Euro aufgerufen, doch die Erfahrung vergangener Versteigerungen lehrt, dass besonders die sorgfältig kolorierten Entwürfe sowie politische Skizzen und Konzepte oft für zehn- oder hunderttausende Euro den Besitzer wechseln, während das Interesse an Lagerfelds Vermächtnis auch sieben Jahre nach seinem Tod im Februar 2019 ungebrochen stark bleibt.
Sotheby’s hebt einen entscheidenden Punkt hervor: Bei diesen Zeichnungen handelt es sich ausschließlich um private Archive, die niemals an die Modehäuser übergeben wurden. Der Designer bewahrte sie als Belege seines unermüdlichen schöpferischen Prozesses auf. Sein persönliches Credo lautete: „Mode beginnt auf dem Papier und bleibt auf dem Papier erhalten.“
Darin liegt der eigentliche Wert dieser Blätter begründet, da jeder Strich jenen Moment der Inspiration festhält, der der fertigen Kollektion vorausging. In einer Zeit, in der die meisten Designer mit 3D-Software und Tablets arbeiten, wirken Lagerfelds Skizzen wie Artefakte einer schwindenden Disziplin: Hand, Papier und die unmittelbare Fixierung einer Idee.
Womöglich war es genau diese Arbeitsweise, die es einem einzelnen Menschen ermöglichte, gleichzeitig mehrere Häuser zu führen und dabei Tausende visueller Referenzen zu katalogisieren. Die Skizzen offenbaren seine Methode: wie er Silhouetten prüfte sowie mit Farben und Stimmungen experimentierte, lange bevor die Entwürfe bei der Show präsentiert wurden.
Ähnlich wie die Skizzenbücher großer Künstler verwandeln diese Lose Lagerfelds tägliche Routine in ein kulturelles Artefakt. Die Auktion verdeutlicht, dass das Erbe Karl Lagerfelds nicht nur in den auf den Laufstegen präsentierten Kollektionen weiterlebt, sondern auch in jenen Papierbögen, die er als persönliche Schätze hütete – unveröffentlichte, aber unbezahlbare Zeugnisse seines Genies.



