Ein neues Kapitel der Meeresforschung beginnt in den Tiefen der Karibik

Autor: Inna Horoshkina One

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Der Ozean hütet nach wie vor seine größten Geheimnisse. Trotz jahrzehntelanger Forschung bleiben 93 % der Meeresgebiete von Trinidad und Tobago praktisch unerforscht. Es handelt sich um eine gewaltige Tiefseewelt, die von wenigen Dutzend Metern bis zu vier Kilometern reicht und in der bisher keine systematischen Untersuchungen mit moderner Technik stattgefunden haben.

Institute of Marine Affairs and The University of the West Indies, St. Augustine.

Genau hier nimmt die neue wissenschaftliche Expedition Deep Wonders of Trinidad and Tobago ihren Anfang – eine Reise, die nicht nur in die Abgründe des Ozeans führt, sondern an die Grenzen unseres Wissens über das Leben auf der Erde.

Einen Monat lang wird das Forschungsschiff R/V Falkor (too) in einem der am wenigsten untersuchten Gebiete der Karibik im Einsatz sein. Wissenschaftler schätzen, dass sich hier mehr als 1600 bisher unbekannte Arten verbergen könnten, während in dieser Region aktuell lediglich 451 Tiefseespezies offiziell verzeichnet sind.

Die Expedition wird von der internationalen Organisation SpeSeas, dem Schmidt Ocean Institute, dem Institute of Marine Affairs sowie der University of the West Indies (Campus St. Augustine) durchgeführt. Von besonderer Bedeutung ist dabei, dass die Tiefseeforschung in der Region erstmals von Wissenschaftlern aus Trinidad und Tobago selbst geleitet wird, allen voran von der Meeresbiologin Dr. Diva Amon.

Die Forscher werden Orte untersuchen, die sich unserer gewohnten Vorstellung entziehen: Methanquellen, Schlammvulkane, Unterwasserschluchten, Korallenriffe der Dämmerzone und weitere Tiefsee-Ökosysteme, in denen das Leben eigenen Gesetzen folgt. Genau hier könnten Organismen beheimatet sein, die der Menschheit bisher völlig verborgen blieben.

Als wichtigste Unterstützung dienen den Wissenschaftlern modernste Technologien. Das ferngesteuerte Unterwasserfahrzeug SuBastian wird hochauflösende Videos aus Tiefen von bis zu 4500 Metern übertragen. Ergänzt wird es durch das innovative System DORIS (Deep Ocean Research and Imaging System), das erstmals in der Region zum Einsatz kommt; es kann Untersuchungen in bis zu 6000 Metern Tiefe durchführen und dabei neben Bildern auch Umweltparameter wie Temperatur, Salzgehalt und die Zusammensetzung des Wassers erfassen.

Doch das Ziel der Expedition geht weit über die Suche nach neuen Arten hinaus. Die Forscher möchten verstehen, wie die Tiefsee-Ökosysteme der Karibik strukturiert sind, wie sie zusammenhängen und wie sie durch den Klimawandel, Mikroplastik sowie andere Folgen menschlichen Handelns beeinflusst werden.

Das Projekt zeichnet sich zudem durch seine Transparenz aus. Alle wichtigen Tauchgänge werden live übertragen, sodass Menschen weltweit die Entdeckungen fast in Echtzeit mitverfolgen können. Wissenschaft wird so zu einem Prozess, an dem jeder teilhaben kann.

Oft denken wir, die Ära der großen Entdeckungsreisen sei längst vorbei. Doch der Ozean führt uns vor Augen: Die größten weißen Flecken auf der Landkarte befinden sich nicht im Weltraum, sondern ganz in der Nähe – unter der Oberfläche unseres eigenen Planeten.

Jeder neue Tauchgang könnte eine unbekannte Spezies, ein einzigartiges Ökosystem oder ein neues Kapitel in der Geschichte des Lebens auf der Erde enthüllen. Und vielleicht werden es gerade die Tiefen der Karibik sein, die der Welt in den kommenden Wochen Erkenntnisse liefern, die unsere Vorstellung von der Wunderwelt der Ozeane grundlegend verändern.

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Quellen

  • Deep Wonders of Trinidad and Tobago - Ministry of Planning

  • Deep Wonders of Trinidad and Tobago - Schmidt Ocean Institute

  • IMA Research Team Embarks on Legendary Voyage - IMA

  • DORIS - Ocean Discovery League

  • ROV SuBastian - Wikipedia

  • Schmidt Ocean Institute - Wikipedia

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