Die größte russische Bank ist bereit, die Liste der Vermögenswerte zu erweitern, die als Sicherheit für einen Kredit hinterlegt werden können. Dabei geht es nicht nur um Bitcoin, sondern auch um Ether sowie den Stablecoin USDT. Die Erklärung des stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der Sber, Anatoli Popow, erfolgte am Vorabend des Inkrafttretens des neuen Gesetzes über digitale Vermögenswerte – ab dem 1. September 2026.
Laut Popow hat die Bank bereits einen Pilotversuch mit Bitcoin durchgeführt und plant nun, Ether und USDT hinzuzufügen, jedoch erst nachdem die Zentralbank deren öffentlichen Umlauf offiziell erlaubt hat. Zuvor hatte die Zentralbank diese drei Vermögenswerte auf der Grundlage von Marktkapitalisierung, Volumina und einer fünfjährigen Preishistorie an ausländischen Handelsplätzen in die Liste der für regulierten Handel zugelassenen Vermögenswerte aufgenommen. Das Krypto-Handelsvolumen in Russland könnte laut Schätzung der Sber bereits im ersten Jahr 4 Billionen Rubel erreichen.
Hier liegt ein wichtiges Paradoxon: Kryptowährung kann in Russland weiterhin nicht als Zahlungsmittel im Inland verwendet werden, aber sie wird bereits als vollwertige Sicherheit für Kredite anerkannt. Die Bank vergibt kein Geld „auf Versprechen“, sondern erfasst einen realen Vermögenswert, der im Falle eines Zahlungsausfalls verkauft werden kann. Dies verändert die übliche Logik der Besicherung – anstelle einer Wohnung oder eines Autos kann der Kunde digitale Münzen hinterlegen, deren Wert durch den globalen Markt bestimmt wird.
Für den Kreditnehmer bietet ein solches Instrument Zugang zu Liquidität ohne Verkauf der Vermögenswerte. Bei einem Leitzins von 14 % ziehen es viele vor, keine Verluste durch Verkäufe zu realisieren, sondern einen Kredit gegen Sicherheiten aufzunehmen. Für die Bank ist dies eine Möglichkeit, die Besicherung zu diversifizieren und Kunden aus der Kryptoindustrie anzuziehen – Miner, Händler, Unternehmen mit Auslandsumsätzen. Die Risiken bleiben jedoch bestehen: Die Volatilität von Ether ist höher als die von Bitcoin, und USDT birgt das Risiko einer Einfrierung durch den Emittenten.
Die Sber hat bereits Erfahrung: Im Dezember 2025 vergab die Bank die erste Bitcoin-Besicherung an einen Unternehmenskreditnehmer – das Mining-Unternehmen Intelion. Nun ist die Infrastruktur bereit für die Skalierung. Das neue Gesetz schafft Rahmenbedingungen für Verwahrungsdienstleistungen und digitale Depotbanken, was die operationellen Risiken für die Bank verringert.
Letztendlich lässt das traditionelle Finanzsystem Kryptoassets allmählich nicht als spekulatives Instrument, sondern als eine Art der Besicherung zu. Für den normalen Kunden ist dies ein Signal: Der Wert eines Vermögenswerts wird nicht mehr nur durch seinen „offiziellen“ Status bestimmt, sondern durch seine Fähigkeit, Wert in einem regulierten Umfeld zu erhalten und zu übertragen. Banken lernen, mit dem zu arbeiten, was sie früher für marginal hielten.
