In Brüssel hat Italien bei den finalen Verhandlungen über den digitalen Euro einen Vorschlag eingebracht, der die Spielregeln für kleine Händler ändern könnte: Die Gebühren für Transaktionen bis 10 Euro sollen fast auf null gesenkt werden. Statt der üblichen Prozentsätze – maximal 0,02 Euro oder gar keine Gebühr. Das ist nicht nur ein technisches Detail, sondern ein Versuch, die neue Geldform gerade dort attraktiv zu machen, wo traditionelle Zahlungssysteme am stärksten in die Tasche greifen.
Der digitale Euro, den die EZB frühestens im Jahr 2029 starten will, ist als Ergänzung zum Bargeld gedacht, nicht als Ersatz. Basisoperationen für Bürger sollen kostenlos sein, aber die Zwischenhändler – Banken und Terminals – erheben in der Regel Gebühren von den Verkäufern. Für kleine Unternehmen, bei denen täglich Dutzende kleiner Käufe abgewickelt werden, fressen selbst geringe Gebühren einen beachtlichen Teil der Marge auf. Italien verweist auf Daten der EZB: Bei kleinen Geschäften sind die Kosten für die Zahlungsabwicklung drei- bis viermal höher als bei großen Ketten.
Der Vorschlag wird von der Europäischen Zentralbank unterstützt. Er fügt sich in die Gesamtstrategie ein, Europas Abhängigkeit von den amerikanischen Giganten Visa und Mastercard zu verringern. Wenn kleine Zahlungen wirklich billig oder kostenlos werden, könnte der digitale Euro schneller Einzug in den Alltag von Cafés, Zeitungskiosken und Straßenhändlern halten – genau den Orten, die das Bild europäischer Städte prägen.
Dahinter steckt nicht nur die Sorge um kleine Unternehmen. Die Staaten sind an einer beschleunigten Einführung von CBDC interessiert, um die Kontrolle über die Zahlungsinfrastruktur zu behalten und den Abfluss von Gebühren ins Ausland zu reduzieren. Banken hingegen fürchten Einnahmeverluste bei herkömmlichen Karten. Der Kompromiss einer symbolischen Gebühr von zwei Cent wirkt wie ein Versuch, die Interessen auszugleichen: formal nicht ganz auf null, aber die Wirkung nahezu null.
Der Vergleich ist einfach: Stellen Sie sich einen Fluss vor, in dem kleine Bäche den großen Strom speisen. Wenn an jedem Bach ein Schleusentor mit hoher Gebühr stünde, würde das Wasser es umgehen. Entfernt man die Gebühr oder senkt sie an kleinen Stellen, lässt sich der gesamte Strom in das gewünschte Bett lenken – in diesem Fall in die europäische Digitalwährung.
Bislang ist dies nur ein Vorschlag im Rahmen des Trilogs zwischen EU-Rat, Europäischem Parlament und Kommission. Die endgültige Entscheidung wird bestimmen, inwieweit der digitale Euro eine echte Alternative zu Bargeld und Karten für alltägliche Ausgaben wird. Für den normalen Käufer und Verkäufer könnte der Unterschied von ein paar Cent bei einer Tasse Kaffee entscheidend sein.

