Neurodidaktik und Motivation: Wie das gehirnorientierte Modell bei Studierenden funktioniert

Bearbeitet von: Olga Samsonova

In einem Hörsaal einer Moskauer Universität konnten Studierende, die kurze Erklärungen im Wechsel mit visuellen Wiederholungen erhielten, Kernbegriffe nach einer halben Stunde besser abrufen als jene, die einer klassischen Vorlesung folgten.

Eine im Fachjournal Frontiers in Education veröffentlichte Studie untersuchte die Anwendung hirngerechter Lernmodelle im Hochschulbereich. Die Autoren analysieren dabei, wie sich die Berücksichtigung von Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsmechanismen auf die Motivation und den Studienerfolg auswirkt.

Das Modell basiert auf einer dreistufigen Abfolge: Zunächst vermittelt die Lehrkraft eine begrenzte Menge an neuen Informationen, woraufhin die Studierenden diese mit bereits bekannten Beispielen verknüpfen, bevor sie eine kurze aktive Wiederholung ohne Unterlagen durchführen.

Dies gleicht der Arbeit eines Gärtners, der eine Pflanze nicht sofort mit Wasser überschwemmt, sondern es erst einsickern lässt, bevor er die nächste Portion nachgießt. Ein solcher Rhythmus verringert die Überlastung des Arbeitsgedächtnisses und fördert die Entstehung stabilerer neuronaler Verbindungen.

Vorläufige Daten der Pilotstudie deuten auf eine Steigerung der intrinsischen Motivation der Studierenden um etwa 18 Prozent hin, basierend auf Selbstauskünften. Gleichzeitig geben die Autoren zu bedenken, dass das Experiment an vier Hochschulen über nur ein Semester lief und Langzeitmessungen noch ausstehen. Es bleibt unklar, ob der Effekt bestehen bleibt, wenn Dozenten die Methode ohne spezielle Schulung anwenden.

Der Ansatz verdeutlicht zudem das Problem der Ressourcenungleichheit: Die Umsetzung erfordert von den Lehrenden Zeit für die Einarbeitung in neue Techniken, die Mitarbeitern an regionalen Universitäten mit hoher Lehrbelastung oft fehlt. Das Hochschulsystem bewertet Ergebnisse derweil weiterhin nach formalen Kriterien statt nach der tatsächlichen Qualität des Wissenserwerbs.

Die entscheidende Frage ist nun, ob die Universitäten bereit sind, den Lehrbetrieb so umzugestalten, dass Studierende nicht nur Prüfungen bestehen, sondern über Jahre hinweg echtes Interesse an ihrem Fach behalten.

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Quellen

  • New Research: Neuroeducation and motivation: application of the brain-targeted teaching model in university students

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