In Brasilien wurde ein ungewöhnliches Umweltprojekt gestartet, das scheinbar gewöhnliche Abfälle aus Friseursalons in eine mächtige Waffe gegen die Verschmutzung der Ozeane verwandelt. Die gemeinnützige Organisation Fiotrar verwendet gespendetes menschliches Haar, um spezielle Barrieren zu schaffen, die in der Lage sind, Ölteppiche und andere gefährliche Schadstoffe vor der Küste aufzuhalten.
Wie funktioniert das?
Die Technologie, die bereits in Ländern wie Chile und den USA erfolgreich eingesetzt wird, wurde von der Fiotrar-Gründerin Mariana Robrahn an die brasilianischen Gegebenheiten angepasst. Das Funktionsprinzip ist erstaunlich einfach und effektiv: Menschliches Haar besitzt die natürliche Fähigkeit, Erdölprodukte zu absorbieren.
Aus dem abgeschnittenen Haar werden spezielle zylindrische „Matten“ hergestellt – eine Art Filter, die an schwimmenden, orangefarbenen Barrieren befestigt werden. Diese Barrieren werden im Wasser installiert und wirken wie ein Magnet für Schadstoffe.
Erste Tests
Die Pilotversuche des Projekts fanden in der Bucht Bom Jesus statt, die in der berühmten Guanabara-Bucht im Bundesstaat Rio de Janeiro liegt. Diese Region wurde nicht zufällig ausgewählt – hier existierte bereits eine Infrastruktur in Form von Barrieren zum Auffangen von Müll.
„Diese Filter werden an der orangefarbenen schwimmenden Müllbarriere befestigt, die auf dem Wasser treibt, und wir nutzen sie als Basis für die Fiotrar-Barriere“, erklärt Ana Beatriz Gonçalves, die als Umweltingenieurin für die wöchentliche Wartung der neuen Barrieren verantwortlich ist.
Effizienz und Lebensdauer
Laut der Chemikerin Caroline Carvalho können die Barrieren bis zu vier Monate im Meer verbleiben und dabei effektiv Verschmutzungen „von Schiffen, illegalen Einleitungen und anderen Kontaminationsquellen“ zurückhalten. Neben Öl fängt das System auch Biodiesel und andere schädliche Substanzen auf und verhindert so deren Ausbreitung im Gewässer.
Eine unerschöpfliche Rohstoffquelle
Eine der Stärken des Projekts ist seine Rohstoffbasis. Brasilien ist für seine riesige Anzahl an Friseursalons bekannt, was das Grundmaterial für die Produktion praktisch unerschöpflich macht. Derzeit spenden bereits etwa zehn Salons regelmäßig abgeschnittenes Haar, das zwar nicht für die Herstellung von Perücken geeignet ist, sich aber ideal für die Erstellung von „Öko-Matten“ eignet.
Entwicklungsperspektiven
Das Projekt Fiotrar zeigt, wie ein kreativer Ansatz beim Recycling von Abfällen schwerwiegende Umweltprobleme lösen kann. Was früher einfach in den Müllcontainern der Schönheitssalons landete, wird nun Teil eines groß angelegten Systems zum Schutz des marinen Ökosystems.
Die Initiative zeigt, dass es für den Kampf gegen die Meeresverschmutzung nicht immer komplizierter technologischer Lösungen bedarf – manchmal reicht es aus, auf das zu achten, was uns umgibt, und neue Verwendungsmöglichkeiten für vertraute Dinge zu finden.

