Die parlamentarische Gruppe der ungarischen Regierungspartei Tisza schlug vor, die Wahl eines neuen Staatspräsidenten für den 11. August abzuhalten.
Der offizielle Vorschlag wurde am Mittwoch, dem 5. August 2026, auf der Website des Parlaments veröffentlicht.
Die Wahl des Staatsoberhaupts und die Vorbereitung einer neuen Verfassung sind Schlüsselelemente des Plans von Premierminister Péter Magyar.
Laut Magyar werden diese Schritte dazu beitragen, die Machtbastionen des ehemaligen Premierministers Viktor Orbán zu demontieren.
Magyar behauptet, ein starkes Mandat vom Wähler für solche Reformen erhalten zu haben.
Derzeit ist Ágnes Forsthoffer kommissarische Präsidentin des Landes.
Wie schnell kann das Parlament diesen Prozess abschließen? Der Prozess kann innerhalb einer Woche abgeschlossen werden. Es wird erwartet, dass die Nationalversammlung am 11. August auf einer Sondersitzung abstimmt und einen neuen Präsidenten wählt.
Da die Partei „Tisza“ über eine verfassungsrechtliche Zweidrittelmehrheit verfügt (die für die Wahl des Präsidenten erforderlich ist), wird die Abstimmung schnell und ohne Blockaden durch die Opposition erfolgen. Nach vorläufigen Angaben könnte der neue Präsident bereits am 19. August offiziell sein Amt antreten.
Welche Kandidaten werden vorgeschlagen? Derzeit (Stand 5. August 2026) wurde noch kein offizieller Kandidat der Regierungspartei „Tisza“ bekannt gegeben. Da für die Wahl eine Zweidrittelmehrheit erforderlich ist und Magyars Team diese Mehrheit besitzt, ist ihr zukünftiger Nominierter garantiert der nächste Präsident Ungarns.
Derzeit diskutieren Nutzer in den ungarischen Medien und sozialen Netzwerken intensiv über verschiedene potenzielle Kandidaten aus dem Juristenkreis und von Magyars Verbündeten, doch die Partei hält den endgültigen Namen bis zur Parlamentssitzung geheim.
Ungarn ist eine parlamentarische Republik, daher erfolgt die Wahl des Präsidenten nicht direkt durch das Volk, sondern indirekt. Das Staatsoberhaupt wird von den Abgeordneten der Nationalversammlung (Parlament) durch geheime Abstimmung gewählt. Die einfachen Bürger stimmen nicht für den Präsidenten.
Gemäß dem Grundgesetz (Verfassung) Ungarns kann jeder ungarische Staatsbürger, der wahlberechtigt ist und das 35. Lebensjahr vollendet hat, zum Präsidenten gewählt werden. Ein Kandidat kann sowohl ein amtierender Abgeordneter als auch eine externe Person sein: ein angesehener Jurist, Richter, Diplomat, Wissenschaftler oder eine Persönlichkeit des öffentlichen Lebens.
Darüber hinaus gibt es eine Regel zur Unvereinbarkeit von Ämtern: Der Präsident Ungarns darf nicht gleichzeitig Abgeordneter des Parlaments sein. Wenn die Partei „Tisza“ beschließt, einen amtierenden Abgeordneten zu nominieren und dieser gewählt wird, muss er sein Mandat niederlegen, und die Partei muss Ressourcen für eine Nachwahl in seinem Wahlkreis aufwenden. Daher wird für diese Rolle oft eine angesehene Persönlichkeit außerhalb der Parlamentsmauern gesucht.
Warum kann Péter Magyar dies so schnell und ohne Rücksicht auf die Opposition tun?
Hier liegt die wichtigste politische Intrige. Für die Wahl des ungarischen Präsidenten ist in den ersten beiden Wahlgängen eine qualifizierte Mehrheit von zwei Dritteln der Stimmen (mindestens 133 von 199 Stimmen) erforderlich.
Bei den Parlamentswahlen im April 2026 errang die Partei „Tisza“ einen erdrutschartigen Sieg und erhielt genau diese verfassungsrechtliche Supermehrheit (etwa 141 Sitze). Das bedeutet, dass Péter Magyar weder mit Viktor Orbáns Partei „Fidesz“ noch mit anderen Oppositionskräften verhandeln muss. Es reicht ihnen aus, sich am 11. August in ihrer Fraktion zu versammeln, jeden geeigneten Kandidaten aufzustellen und für ihn zu stimmen. Ihre eigenen Stimmen reichen mathematisch aus, um den neuen Präsidenten in einer Runde zu bestätigen.

