Es gibt Preise, nach denen man bewundernd sagen möchte: „Das ist Wissenschaft!“
Und es gibt solche, den Ig-Nobelpreis,nach dem man sich zuerst fragen möchte: „Warum haben die das überhaupt untersucht?“ — und eine Minute später wird es wirklich interessant.
Am 3. September wurden in Zürich die Gewinner des Ig-Nobelpreises 2026 bekannt gegeben — des berühmten scherzhaften Wissenschaftspreises für Forschungen, die laut den Organisatoren zuerst zum Lachen bringen und dann zum Nachdenken anregen.
Und in diesem Jahr haben sich die Wissenschaftler besonders angestrengt.
🪳 Kakerlakenmilch erwies sich als sehr nahrhaft
Der Chemiepreis ging an ein internationales Team, das eine ungewöhnliche lebendgebärende Kakerlake untersuchte, Diploptera punctata.
Die Wissenschaftler entdeckten, dass die Proteinkristalle ihrer „Milch“ etwa dreimal so viel Energie enthaltenwie die Proteine der Kuhmilch. (Improbable Research)
Nein, das bedeutet noch nicht, dass morgen im Supermarkt ein Latte aus Kakerlakenmilch auftauchen wird.
Und vielleicht ist das auch gut so.
👖 Wissenschaftler vergruben 1000 Paar Unterhosen
Der Preis für Bodenkunde ging an Forscher, die beschlossen, die Gesundheit des Bodens auf möglichst anschauliche Weise zu testen.
Sie vergruben 1000 identische Baumwollunterhosen in mehr als 25 Ländern, ließen sie etwa zwei Monate in der Erde und gruben sie dann wieder aus.
Die Logik ist durchaus wissenschaftlich: Je aktiver Bodenmikroorganismen die Baumwolle zersetzen, desto biologisch aktiver gilt der Boden. (Chemical & Engineering News)
Der Ausdruck „Die Wissenschaft ist bis zu den Unterhosen vorgedrungen“ kann man nun also ganz wörtlich nehmen.
🤧 Auch das richtige Naseputzen ist Wissenschaft
Der posthume Preis für Medizin ging an den japanischen Forscher Tokuji Unno für eine Arbeit mit dem großartigen Titel:
„Wie man sich die Nase putzt – eine aerodynamische Untersuchung des Naseputzens“.
Die Arbeit wurde bereits im Jahr 1977 veröffentlicht, aber der Ig Nobel versteht es, Perlen unabhängig von ihrem Alter zu finden. Der Wissenschaftler untersuchte die Physik des Luftstroms und versuchte zu bestimmen, wie man sich richtig und effektiv die Nase putzt. (Improbable Research)
💋 Und Wissenschaftler fanden auch heraus, wer überhaupt das Küssen erfunden hat
Ein separates Preis ging an ein Team, das die evolutionäre Geschichte des Kussesrekonstruierte.
Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass ein solches Verhalten bereits beim gemeinsamen Vorfahren der Menschenaffen vor Millionen von Jahren existiert haben könnte – und wahrscheinlich küssten sich sogar Neandertaler. (The Times)
🚽 Und natürlich durfte das perfekte Urinal nicht fehlen
Physiker erhielten einen Preis für den Versuch, ein Urinal zu entwickeln, das kaum Flüssigkeit verspritzt.
Nach Experimenten kamen die Forscher zu dem Schluss, dass die Menge der Spritzer drastisch abnimmt, wenn der Strahl in einem Winkel von weniger als etwa 30 Grad auf die Oberfläche trifft. (euronews)
Das ist Wissenschaft, die wirklich alltägliche Probleme löst.
Und die Zeremonie endete in bester Ig-Nobel-Tradition: mit Auftritten echter Wissenschaftler, seltsamen wissenschaftlichen Vorführungen und natürlich Papierfliegern, die durch den Saal flogen. (Washington Post)
Die Moral ist einfach: Wenn Sie denken, dass Ihre Idee zu seltsam für ernsthafte Wissenschaft ist – vielleicht sind Sie einfach ein zukünftiger Ig-Nobel-Preisträger.


