Smart Home 2.0: Wie KI, intelligente Betten und Roboterhunde unseren Alltag verändern. Reportage von der IFA 2026

Autor: Tatyana Hurynovich

Nach Materialien von Euronews

Künstliche Intelligenz ist keine futuristische Konzeption mehr, sondern fest in den Alltag eingezogen. Ein anschaulicher Beweis dafür ist die IFA 2026 in Berlin – die weltweit größte Handelsmesse für Unterhaltungselektronik und Haushaltsgeräte. In diesem Jahr steht die Veranstaltung, die mehr als 1900 Marken aus 49 Ländern vereint, unter einem Motto, das den Haupttrend widerspiegelt: Technologie reagiert nicht mehr nur auf Befehle, sie lernt, passt sich an und antizipiert die Bedürfnisse des Menschen.

Euronews-Korrespondenten haben die wichtigsten Neuheiten der Messe untersucht, um zu verstehen, wie das Haus der Zukunft in den kommenden Jahren aussehen wird.

Vom intelligenten zum intelligenten Zuhause

Der Haupttrend der IFA 2026 ist die Evolution des Smart-Home-Konzepts. Die Branche bewegt sich von der einfachen Fernsteuerung von Geräten hin zur Schaffung eines intelligenten Ökosystems. Nun übernimmt die Technik nicht nur die Ausführung von Aufgaben, sondern auch die Planung und Entscheidungsfindung.

Ein anschauliches Beispiel ist die neue Waschmaschine des Unternehmens Haier. Ausgestattet mit eingebauter Kamera und KI-System erkennt sie die Arten der eingeladenen Kleidung und warnt den Benutzer, wenn sich unter der weißen Wäsche versehentlich eine rote Socke befindet, und bewahrt so die Kleidungsstücke vor unbeabsichtigtem Verfärben.

Ähnliche Innovationen betreffen auch die Küche. Wie Neil Tunstall, CEO von Haier Europe, betont, können moderne Geräte Lebensmittel erkennen und den Kochmodus automatisch anpassen. „Wir erwarten immer weniger, dass der Verbraucher selbst über alles nachdenkt, und verlassen uns immer mehr darauf, dass die Geräte diese Funktion übernehmen“, betonte er.

Das amerikanische Unternehmen Cozyla ging noch weiter und präsentierte ein KI-System zur Koordination des Familienlebens. Am Stand des Unternehmens wird demonstriert, wie intelligente Kalender und interaktive Bildschirme helfen, die Zeitpläne der Haushaltsmitglieder zu synchronisieren, Mahlzeiten auf der Grundlage gescannter Rezepte zu planen und die Haushaltsaufgaben gleichmäßig zu verteilen.

Technologien für tiefe Entspannung und gesunden Schlaf

Technologien schlafen nicht, auch wenn wir uns schlafen legen. Das Hongkonger Unternehmen BestQi präsentierte das System AMADA Smart Adaptive Sleeping System. Dies ist ein verstellbares Bett mit einer Matratze, die Klang und Vibrationen nutzt, die über eine App gesteuert werden. Jede Seite des Bettes ist individuell einstellbar, sodass die Partner ihre eigenen Massagemodi, Vibrationsintensitäten oder Programme für Schlaf und Lesen wählen können.

Das südkoreanische Unternehmen Bodyfriend hat einen medizinischen Ansatz in Ruhemöbel integriert. Das Modell Quantum Beauty Capsule kombiniert einen Massagesessel mit LED-Modulen zur Gesichts- und Kopfhautpflege. Und das Modell Davinci AI ist mit einem PPG-Sensor an der Fingerspitze ausgestattet, der in Echtzeit Herzfrequenz, Herzratenvariabilität und Blutsauerstoffgehalt misst und dabei Stresslevel und Erholungsqualität des Körpers analysiert.

Digitaler Detox und neue Unterhaltungsformate

Obwohl die Bildschirme größer und die Audiosysteme leistungsstärker werden (wie das Unternehmen TCL in seinen immersiven Gaming-Zonen demonstriert), kümmern sich die Hersteller auch um die Kehrseite der Medaille – die digitale Überlastung.

TCL hat die Technologie NextPapervorgestellt, die das Smartphone in einen vereinfachten E-Book-Modus versetzt. Diese Lösung reduziert die Blaulichtemission, verringert die Belastung der Augen und blockiert ablenkende Benachrichtigungen. „Wenn Sie am Wochenende lesen möchten, brauchen Sie keine ständigen Signale von jeder App“, bemerkte Stefan Streit, Marketingdirektor bei TCL Europe.

Haustierpflege und robotische Helfer

Das intelligente Zuhause kümmert sich nicht nur um Menschen. Das singapurische Start-up Petgugu hat ein Ökosystem für Haustiere vorgestellt, das eine intelligente selbstreinigende Katzentoilette und einen mobilen Roboter umfasst, der sich in der Wohnung bewegt, Haare aufsammelt und mit dem Haustier interagiert, wenn die Besitzer nicht da sind.

Für diejenigen, die radikalere Lösungen suchen, hat ein chinesisches Robotikunternehmen (gegründet im Jahr 2024) den MagicDog Y1 vorgestellt – einen Roboterhund. Im Gegensatz zu Spielzeugmodellen ist dies ein funktionaler Assistent, der für den Transport von Ausrüstung, Überwachung und Sicherung des Geländes mit eingebauten Kameras und Sensoren konzipiert ist.

Die wichtigste Erkenntnis: Technologie soll Zeit freisetzen

Die zentrale Botschaft der IFA 2026 ist, dass die Zukunft nicht aus einer Ansammlung isolierter Geräte besteht, sondern aus einem gut abgestimmten Ökosystem. Die Geräte tauschen Daten aus und arbeiten zusammen, um den Alltag zu übernehmen.

Wie Experten anmerken, ist das ultimative Ziel dieser Innovationen paradox: Technologie soll weniger sichtbar werden und weniger Aufmerksamkeit erfordern. Das gibt den Menschen Zeit für das, was wirklich zählt: Zeit mit der Familie, mit Freunden und für persönliche Hobbys.

Die IFA 2026 in Berlin ist noch bis zum 8. September geöffnet. Im Programm sind außerdem eine Beauty-Hub-Zone, eine Bühne für Kreative (Creator Stage) und eine große Robotik-Show mit humanoiden Robotern aus aller Welt vorgesehen.

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