Beim Filmfestival in Telluride betraten die Zuschauer am Sonntagabend den Saal, ohne zu wissen, was sie erwartete. Telefone wurden in spezielle Tüten gesperrt, und der Titel des Films wurde erst vor Ort bekannt gegeben.
Es handelte sich um einen dreistündigen Dokumentarfilm mit dem Titel „You Can See Everything“ über Elizabeth Holmes, die Gründerin von Theranos, die wegen Betrugs an Investoren zu 11 Jahren Haft verurteilt wurde.
Die Dreharbeiten begannen 34 Tage bevor Holmes sich im Jahr 2023 ins Gefängnis begeben sollte. Sie selbst lud das Filmteam in ein gemietetes Haus in Kalifornien ein, in der Hoffnung, wie sie sagte, das über sie entstandene Bild zu widerlegen.
Die Regisseure sind der Komiker Nathan Fielder und der Dokumentarfilmer Lance Oppenheim. Das Studio A24 hat den Film veröffentlicht, der Kinostart ist für Oktober geplant.
Kritiker und Zuschauer auf dem Festival nannten den Film „schockierend“, „überwältigend“ und „unvergleichlich mit allem, was man zuvor gesehen hat“. Der Trailer verzeichnete innerhalb eines Tages über 1,6 Millionen Aufrufe.
Fielder gab in einem Gespräch nach der Vorführung zu, dass er bis heute nicht vollständig versteht, was er in den drei Jahren der Arbeit genau durchlebt hat.
Warum Holmes gerade diese Autoren für ihre Geschichte ausgewählt hat, ist eine der Fragen, die der Film auch nach dem Anschauen offen lässt.
In den Medien wird nicht nur der Zugang zum Privatleben von Holmes und ihrer Familie diskutiert, sondern auch, wie das ungewöhnliche Format – mit extremen Nahaufnahmen und langer Interaktion – die Vorstellung von dokumentarischem Kino verändert.
Bereits zuvor waren eine Serie und Dokumentarprojekte über Theranos erschienen, doch dieser sticht laut Kritiken durch den Grad der Immersion und unerwartete Wendungen hervor.



