Wie ein IT-Spezialist schwimmend zur Arbeit kommt und das verborgene Ökosystem von Zürich rettet

Autor: Tatyana Hurynovich

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Jeden Morgen schwimmt Mischa Gurow 1,35 Kilometer durch den alten Verteidigungsgraben der Schweizer Hauptstadt. Statt Straßenbahnen und Staus umgeben ihn Schwäne, seltene Forellen und ... Hunderte weggeworfener Zigarettenstummel. Die Geschichte, wie aus einem ungewöhnlichen Arbeitsweg eine Umweltmission wurde.


Morgendliches Schwimmen statt Umsteigen

Für die meisten Einwohner Zürichs ist der Weg zur Arbeit ein vorhersehbarer Rhythmus aus Schweizer Zügen und überfüllten Straßenbahnen. Doch für den IT-Spezialisten Mischa Gurow sieht der morgendliche Arbeitsweg völlig anders aus: Er zieht eine Badehose an, packt Arbeitskleidung und Laptop in einen wasserdichten Beutel und springt ins Wasser.

Als er erfuhr, dass einige Schweizer Büroangestellte schwimmend zur Arbeit kommen, hielt Mischa diese Tradition zunächst für „erstaunlich schweizerisch und ein wenig verrückt“. Nach seinem Umzug nach Zürich im Jahr 2019 beschloss er jedoch, die öffentlichen Verkehrsmittel gegen ein Schwimmen im Schanzengraben – dem alten Verteidigungsgraben der Stadt – einzutauschen.

„Das ist der beste Weg, den Arbeitstag zu beginnen“, erzählt Mischa. „Manchmal erlebe ich den Sonnenaufgang am See vor dem Schwimmen oder beobachte, wie Schwäne ihr Morgenbad nehmen. Es kommt vor, dass einige Fische Dutzende Meter neben mir herschwimmen – das ist ein wirklich besonderes Gefühl der Harmonie.“

Seit Anfang 2026 hat er bereits mehr als 60 Kilometer in den Stadtgewässern zurückgelegt.

Die verborgene Welt unter den Füßen der Stadtbewohner

Diesen Sommer, während einer schweren Dürre, fiel der Wasserstand im Kanal kritisch. Das brachte Mischa dazu, seine gewohnte Route mit neuen Augen zu sehen. Mit einer Unterwasserkamera entdeckte er eine Welt, die täglich von Tausenden eiligen Menschen auf den benachbarten Brücken ignoriert wird: alte Steinmauern des Grabens, Fischschwärme und dichte Algen.

„Mir wurde klar, dass Natur nicht unbedingt weit weg sein muss, im Ozean oder im tropischen Regenwald. Manchmal lebt eine ganze Welt fast unbemerkt direkt unter einer Brücke, über die Menschen jeden Tag gehen“, erzählt er.

Unter den Unterwasserbewohnern gelang es ihm, einen großen Fisch zu fotografieren. Später identifizierten Fachleute des städtischen Amtes für Abfallwirtschaft und Gewässerschutz (ERZ) ihn als seltene Bachforelle. Diese Fische stellen höchste Ansprüche an ihre Umgebung: Sie benötigen sauberes, kühles und sauerstoffreiches Wasser. Ihre Anwesenheit ist ein verlässlicher Indikator für die hohe Wasserqualität im Schanzengraben.

Wie genau Mischa den Fluss reinigt:

  • Er sammelt Zigarettenstummel von Hand. Das ist der Hauptfeind des Flusses: In der Schweiz werden jährlich über 6 Milliarden Zigarettenstummel weggeworfen, und ihre Giftstoffe sind tödlich für Fische. Kürzlich sammelte Mischa in 30 Minuten mehr als 500 Stummel auf einer Strecke von nur 30 Metern.
  • Er entfernt großen Müll aus dem Wasser. Wenn es sicher ist, holt er während des Schwimmens Flaschen, Verpackungen und andere Abfälle aus dem Fluss.
  • Er nimmt Unterwasservideos auf. Mit der Kamera dokumentiert Mischa die Bewohner des Kanals – zum Beispiel die seltene Meerforelle, die sauberes, kaltes und sauerstoffreiches Wasser benötigt. Diese Aufnahmen zeigt er den Behörden und der Öffentlichkeit und beweist damit, dass das Ökosystem lebt und geschützt werden muss.
  • Übt Druck auf die Behörden aus. Die Stadtwerke gaben ihm gegenüber zu, dass der Kanal „zu wenig von Menschen durchschwommen wird“, um die Reinigungskosten zu rechtfertigen. Mischa startete Petitionen, fordert strengere Strafen für Abfall (derzeit zwischen 80 und 250 Franken) und bereitet eine symbolische Aktion vor: den gesamten Kanal in einem Helm zu durchschwimmen, der mit 1000 weggeworfenen Zigarettenstummeln verziert ist.

„Die Schweiz sauber zu halten ist unsere gemeinsame Verantwortung“, resümiert Mischa. „Das Müllproblem kann nicht allein durch die Hände von Reinigungskräften, Behörden oder einzelnen Freiwilligen gelöst werden. Es wird nur funktionieren, wenn jeder – Menschen, Gemeinschaften, Unternehmen und Behörden – seinen Teil der Arbeit übernimmt.“


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Quellen

  • река

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