Vom einseitigen Markt zum vollwertigen Finanz-Ökosystem
Lange Zeit galt der Kryptomarkt als „einseitig“, da Anleger ausschließlich durch Spot-Handel von steigenden Kursen profitieren konnten. Im Dezember 2017 änderte sich dies grundlegend, als die zwei größten US-Börsen erstmals regulierte Bitcoin-Futures einführten und damit einen Wendepunkt in der Geschichte digitaler Vermögenswerte markierten.
Chronologie des Starts: CBOE kam CME zuvor
Am 10. Dezember 2017 startete die Chicago Board Options Exchange (CBOE) als erste den Handel mit Bitcoin-Futures (Ticker-Symbol XBT) und eröffnete den Markt um 17:00 Uhr Central Time. Dieses Ereignis war ein echter Durchbruch, da ein Krypto-Asset damit erstmals Zugang zur regulierten Infrastruktur des traditionellen Finanzwesens erhielt.
Nur eine Woche später, am 18. Dezember 2017, zog die CME Group (Chicago Mercantile Exchange) mit eigenen Bitcoin-Futures (Ticker-Symbol BTC) nach. Die Kontrakte der CME verfügten über einen Barausgleich (cash-settled) und basierten auf dem CME CF Bitcoin Reference Rate Index.
Der Einzug von institutionellem Kapital
Die Einführung der Futures öffnete großen institutionellen Investoren die Türen, die den Kryptomarkt zuvor mangels regulierter Instrumente gemieden hatten. Traditionelle Finanzinstitute erhielten so die Möglichkeit, über vertraute und regulierte Derivate eine Bitcoin-Exposure aufzubauen.
Als weltweit größter Handelsplatz für Derivate zog die CME Group Hedgefonds, Pensionsfonds und weitere institutionelle Akteure an. Dies steigerte die Marktliquidität erheblich und trieb die Professionalisierung des Sektors voran.
Die Entstehung von Short-Positionen: Eine Revolution im Trading
Bis Dezember 2017 hatten Anleger kaum legale Möglichkeiten, von fallenden Bitcoin-Kursen zu profitieren. Die Futures änderten die Lage grundlegend, da Trader nun Short-Positionen eröffnen und auf sinkende Preise setzen konnten.
Wie Leerverkäufe über Futures funktionieren:
- Ein Trader verkauft einen Futures-Kontrakt in Erwartung fallender Kurse
- Sinkt der Bitcoin-Preis, kauft er den Kontrakt günstiger zurück und sichert sich den Gewinn
- Im Gegensatz zum Spot-Margin-Handel müssen hierbei keine echten Coins geliehen werden
Diese Option lockte Bitcoin-Kritiker und Bären auf den Markt, denen nun erstmals ein legales Instrument für Wetten gegen die Kryptowährung zur Verfügung stand.
Auswirkungen auf die Markteffizienz
Studien belegen, dass die Einführung von Futures die Preisfindung und Effizienz am Bitcoin-Spotmarkt verbesserte. Die Verfügbarkeit von Short-Instrumenten ermöglichte eine schnellere Korrektur überhöhter Preise und reduzierte die Asymmetrie der Volatilität.
Zudem boten Futures den Anlegern Möglichkeiten zur Risikoabsicherung, sodass Bitcoin-Halter ihre Portfolios gegen Verluste absichern konnten, ohne die Bestände selbst veräußern zu müssen.
Das Erbe des Dezembers 2017
Der Start der Bitcoin-Futures an der CBOE und CME bildete das Fundament für die heutige Infrastruktur des Kryptomarktes. Heutzutage bleibt die CME der dominierende Handelsplatz für institutionelle Krypto-Derivate und bietet neben Futures auch Optionen auf Bitcoin an.
Im Jahr 2025 ging die CME noch einen Schritt weiter und führte den Rund-um-die-Uhr-Handel mit Krypto-Futures ein, was den Kryptomarkt noch näher an traditionelle Finanzstandards heranrückte.
Der Dezember 2017 wird für immer als der Moment in Erinnerung bleiben, in dem Kryptowährungen aufhörten, ein Nischenasset für Enthusiasten zu sein, und zu einem vollwertigen Bestandteil des globalen Finanzsystems wurden.




