Krypto im Visier: Warum Regulierungsbehörden in der EU, Großbritannien, Australien und Kalifornien gleichzeitig durchgreifen

Bearbeitet von: Yuliya Shumai

Seit 15 Jahren verspricht Kryptowährung, Staaten überflüssig zu machen, doch diese Woche antworteten die Regierungen: „Gerne, hier sind die Unterlagen.“ Zum selben Zeitpunkt – Ende Juni bis Anfang Juli 2026 – führen die Europäische Union, Großbritannien, Australien und Kalifornien neue Vorschriften ein. Dieses Zusammentreffen ist kein Zufall: Jeder Akteur sieht in Krypto sowohl eine Bedrohung als auch eine Chance, die eigene finanzielle Attraktivität zu steigern.

In der EU läuft am 1. Juli die Übergangsfrist für MiCA ab. Nicht lizensierte Plattformen müssen entweder eine Genehmigung einholen oder den Markt verlassen. Laut der Aufsichtsbehörde ESMA erhielten von Tausenden Anträgen nur rund zweihundert Unternehmen eine Zulassung. Millionen von Nutzern in Europa suchen bereits nach neuen Börsen. Die Regeln, die einst als „transparent“ gepriesen wurden, fungieren nun als Filter: Es überleben jene, die bereit sind, für Kapitalrücklagen, Stresstests und Transparenz zu zahlen.

Großbritannien hat einen anderen Weg eingeschlagen. Statt Verschärfungen senkt das Land die Reserveanforderungen für Stablecoins von 2 % auf 1 %, um Unternehmen anzulocken, die vor MiCA zurückschrecken. London will offensichtlich zum „sicheren Hafen“ werden und Firmen abwerben, denen es in Europa zu eng wird. Es ist ein Paradoxon: Ein Land, das vor Kurzem noch als eines der strengsten galt, wirbt nun mit Erleichterungen.

Australien führt zum 1. Juli die „Travel Rule“ ein – jede Transaktion zwischen Börsen muss, wie bei einer Banküberweisung, von den Daten des Absenders begleitet werden. Das gilt sogar ab dem ersten Dollar. Die Anonymität schwindet. Kalifornien führt unterdessen sein DFAL-Gesetz ein – ein Pendant zur New Yorker BitLicense. Während der föderale Clarity Act stagniert, nehmen die Bundesstaaten die Sache selbst in die Hand.

Hinter all diesen Entscheidungen steht dieselbe Kalkulation: Krypto ist kein marginales Experiment mehr, sondern Teil des globalen Finanzsystems. Die Staaten wollen es nicht vernichten – sie wollen, dass es nach ihren Regeln spielt und Steuern, Arbeitsplätze sowie Kontrolle über die Kapitalströme bringt. Wer die attraktiveren Bedingungen bietet, wird die Marktteilnehmer für sich gewinnen.

Für den Durchschnittsbürger bedeutet das eines: Die Wahl der Plattform hängt nun nicht mehr nur von Gebühren und Komfort ab, sondern auch davon, unter welcher Rechtshoheit das Ersparte liegt. Regulierungen schaffen Krypto nicht ab – sie bestimmen lediglich, in wessen Händen es landet.

6 Ansichten

Quellen

  • California, UK, Australia, EU set to unveil new crypto regulations this week

Lesen Sie mehr Artikel zu diesem Thema:

Open USD is not a new stablecoin. It is 140 of the largest companies in payments and finance agreeing that being the stablecoin issuer is the worst seat at the table. Most people are reading this wrong. The business was never about the coin. It is about the float. Circle holds

Open Standard
Open Standard
@openstandard

Introducing Open USD: a stablecoin built for the internet economy, designed by the businesses growing it. joinopenstandard.com/blog/introduci…

1
Reply
Haben Sie einen Fehler oder eine Ungenauigkeit festgestellt?Wir werden Ihre Kommentare so schnell wie möglich berücksichtigen.