Der kanadische Premierminister Mark Carney hat die Ernennung von vier neuen Senatoren bekannt gegeben und bricht damit mit dem System parteiloser Berufungen, das unter seinem Vorgänger galt. Es sind seine ersten Ernennungen für das Oberhaus des Parlaments seit seinem Amtsantritt im März 2025.
Zu den Ernannten gehören: Tom Pitfield aus Quebec, Stabschef des Premierministers und erfahrener Stratege der Liberalen Partei; Richard Martel aus Quebec, ein ehemaliger Abgeordneter der Konservativen Partei; Dr. Rodney Ouellette aus New Brunswick, ein Krebsforscher; sowie Gita Tucker aus Manitoba, eine staatlich geprüfte Wirtschaftsprüferin.
Die Entscheidung wurde am 8. Juli 2026 veröffentlicht. Carney betonte, dass die neuen Senatoren Expertise in den Bereichen Technologie, künstliche Intelligenz, Wirtschaft, Finanzen und Gesundheitswesen sowie in der Gesetzgebungsarbeit und parlamentarischen Abläufen mitbringen – Bereiche, die der Premierminister für eine effektive Arbeit des Oberhauses als entscheidend erachtet.
Die strategische Abkehr von der Überparteilichkeit ist eine Reaktion auf die Kritik an der Vorgängerregierung. Unter Justin Trudeau mussten Senatskandidaten dem Prinzip der Unabhängigkeit von politischen Parteien entsprechen, auch wenn dies in der Praxis parteipolitische Bindungen nicht ausschloss. Trudeau hatte ein unabhängiges Beratungsgremium eingerichtet, das Empfehlungen basierend auf Kompetenz aussprach. Carney verabschiedete sich jedoch von diesem Ansatz in der Überzeugung, dass die parteipolitische Erfahrung der Kandidaten eine effizientere Verabschiedung von Gesetzentwürfen im Senat begünstigen werde.
Ungeachtet dessen werden alle vier Ernannten als Unabhängige tagen. Martel und Pitfield, die jeweils eine klare konservative bzw. liberale Orientierung aufweisen, werden keinen Fraktionen im Senat beitreten und ihren unabhängigen Status beibehalten.
In einer offiziellen Erklärung der Regierung heißt es, dass die Änderungen im Ernennungsverfahren darauf abzielen, den aktuellen Herausforderungen und Bedürfnissen Kanadas besser gerecht zu werden. Es soll ein neues unabhängiges Beratungsgremium für Senatsernennungen geschaffen werden, das neben der Fachkompetenz der Kandidaten auch deren Erfahrung in der Gesetzgebungsarbeit berücksichtigt.
Der Senator aus Ontario, Andrew Cardozo, merkte gegenüber den Medien an, dass die Ernennungen keinen radikalen Bruch mit der bisherigen Praxis bedeuten: Die Senatoren werden weiterhin keine Mitglieder der liberalen Fraktion sein und ein unabhängiges Auswahlverfahren durchlaufen.
Carney wies zudem auf die Notwendigkeit hin, Personen mit Erfahrung in der Legislative einzubinden, um Gesetzesvorhaben effektiver durch das Oberhaus zu bringen. Diese Kritik bezog sich auf einzelne Ernennungen unter Trudeau, denen es nach Ansicht von Carneys Unterstützern an ausreichender parlamentarischer Erfahrung mangelte.
In den kommenden Monaten werden weitere Vakanzen im Senat erwartet. Die Regierung plant, die Erneuerung des Oberhauses fortzusetzen und dabei zwischen der politischen Erfahrung der Kandidaten und der Wahrung von Unabhängigkeitsprinzipien abzuwägen, was zu einem Markenzeichen von Carneys Personalpolitik für den Senat werden dürfte.



