Hongkong testet personalfreies Geschäft: Roboter bedient Kunden rund um die Uhr

Autor: Tatyana Hurynovich

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Dieses Foto dient illustrativen Zwecken.

Hongkong schickt sich an, zum Testgelände für ein neues Einzelhandelsformat zu werden – einen 24-Stunden-Laden, in dem ein humanoider Roboter namens Xiao Gai den Verkauf vollständig übernimmt. Dies ist das erste Projekt dieser Art in der Region und markiert den Schritt der künstlichen Intelligenz aus dem digitalen Raum in die physische Welt.

Das Ladenformat der Zukunft

Das Geschäft präsentiert sich als kompakte Kapsel mit einer Fläche von etwa 9 Quadratmetern. Das Sortiment ist auf Waren des täglichen Bedarfs wie Snacks, Souvenirs, Spielzeug und rezeptfreie Medikamente ausgerichtet.

Der Roboter Xiao Gai übernimmt die Rolle eines vollwertigen Beraters. Er begrüßt die Kunden, initiiert den Dialog, hilft bei der Produktauswahl und kommuniziert in mehreren Sprachen. Im Grunde handelt es sich um eine völlig autonome Verkaufsstelle, bei der menschliche Hilfe in keiner Phase – von der Beratung bis zur Bezahlung – mehr nötig ist.

Vom Pilotprojekt zur Skalierung

Der Start in Hongkong baut auf den erfolgreichen Erfahrungen aus Peking auf. Dort wurde im August 2025 ein vergleichbares Geschäft eröffnet, das bereits einen stabilen Betrieb vorweist und täglich etwa 1.000 Kunden bedient. Angesichts dieser Ergebnisse planen die Entwickler, in den kommenden Monaten 100 weitere solcher Roboter-Kapseln in zehn chinesischen Städten zu installieren.

Dieses Projekt ist Teil der chinesischen Gesamtstrategie zur Einführung „physischer KI“. Wurden Humanoide (wie etwa das Modell UBTech Walker S1) bis vor Kurzem noch vorwiegend in den geschlossenen Produktionsstätten von Autoriesen wie BYD, Zeekr und Nio für Transport und Montage getestet, dringen sie nun in den Dienstleistungssektor vor.

Bedeutung und Auswirkungen des Projekts

Die Einführung von Roboter-Läden umfasst mehrere Aspekte:

Wirtschaftlich: Die vollständige Automatisierung des Handels ermöglicht eine drastische Senkung der Betriebskosten. Gehaltszahlungen, Sozialleistungen und die Organisation von Schichtplänen für das Verkaufspersonal entfallen komplett. Die Kapsel kann rund um die Uhr ohne Unterbrechungen betrieben werden, was den Umsatz steigert.

Sozial: Das Projekt wirft Fragen zur künftigen Beschäftigung im Einzelhandel auf. Sollte sich die Technologie bewähren, könnten Millionen von Kassierern und Verkäufern nicht mehr benötigt werden. Andererseits entstehen neue Berufsbilder wie die Wartung von Robotern, die Programmierung von Interaktionsszenarien und der technische Support.

Technologisch: Dies demonstriert, dass humanoide Roboter bereit für den Einsatz in einer unberechenbaren städtischen Umgebung sind. Ein Laden ist kein Fließband mit standardisierten Abläufen. Hier gilt es, auf verschiedenste Kundenanfragen, Sprachen und Verhaltensweisen flexibel zu reagieren. Gelingt es dem Roboter, diese Aufgabe zu meistern, ebnet dies den Weg für seinen Einsatz in Restaurants, Hotels oder Banken.

Kulturell: Die Art der Interaktion zwischen Käufer und Verkäufer wandelt sich grundlegend. Menschliche Faktoren wie Müdigkeit, schlechte Laune oder Inkompetenz fallen weg. Gleichzeitig verschwindet jedoch der persönliche Kontakt, der für viele ein wichtiger Teil des Einkaufserlebnisses war.

Wie es weitergeht

Der Erfolg des Pilotprojekts in Hongkong wird zeigen, wie bereit die Gesellschaft für den massiven Einzug von Robotern in den Dienstleistungssektor ist. Erweist sich das Konzept als hocheffizient und stößt auf wenig Widerstand, könnten ähnliche Kapseln nicht nur in China, sondern auch in Ländern mit hohen Lohnkosten oder Arbeitskräftemangel auftauchen.

Während Roboter in Autofabriken noch weit davon entfernt sind, Menschen am Montageband vollständig zu ersetzen, könnte diese Schwelle im Einzelhandel deutlich schneller überschritten werden.

 

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Quellen

  • Humanoid robot with embodied intelligence to run convenience store 24/7 in Hong Kong

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