Nach dem plötzlichen Tod des 34 Jahre alten Königs Oyo Nyimba Kabamba Iguru Rukidi IV. geriet das traditionelle Königreich Tooro in Uganda in eine akute dynastische Krise. Der verstorbene Monarch war einst weltweit berühmt geworden, als er mit nur drei Jahren den Thron bestieg und damit der jüngste regierende König wurde.
Die Trauerfeier für die Beisetzung, die am 12 September 2026 stattfand, wurde von einem erbitterten Machtkampf zwischen dem königlichen Komitee und den nächsten Angehörigen des Verstorbenen überschattet.
Die unerwartete Wahl und die Absage des Torwarts aus London
Mit Fragen der Dynastie und der Thronfolge in Tooro befasst sich traditionell ein spezielles königliches Komitee, die Babiito. Die erste und wichtigste Wahl der Kommission fiel auf den 36 Jahre alten George Desmond Kamurasi, einen Cousin des verstorbenen Königs.
Kamurasi, der den größten Teil seines Lebens in Großbritannien verbracht hat, ist Kapitän und Torwart des Amateurfußballvereins SE Dons, der lediglich in der neunten Liga der englischen Fußballmeisterschaft spielt.
In einer geheimen Abstimmung unterstützten 15 von 18 Mitgliedern der Kommission seine Kandidatur, doch der Fußballer selbst lehnte die Krone ab. Nach Angaben von Vertretern des Komitees berief sich Kamurasi auf persönliche Verpflichtungen und seinen Unwillen, zur Palastpolitik zurückzukehren.
Der alternative Kandidat und die Spaltung der Familie
Nach der Absage des Sportlers schlug das Komitee eine neue Kandidatur vor – Prinz Edward Rukidi Kijangamomu, der als Nachrichtensprecher und Redakteur beim ugandischen staatlichen Fernsehsender UBC arbeitet.
Er wurde offiziell zum neuen Herrscher erklärt, doch diese Entscheidung wurde von der Familie des verstorbenen Monarchen kategorisch abgelehnt, was zu einer tiefen Spaltung innerhalb der Dynastie führte.
Die Lage spitzte sich bis zum Äußersten zu: Die Schwester des verstorbenen Königs, Prinzessin Ruth Komuntale, beschuldigte öffentlich „böse Geier“, sich gegen sie und die Königinmutter Best Kemigisa verschworen zu haben. Nach den Worten der Prinzessin befanden sie und ihre Angehörigen sich wegen des entbrannten Machtkampfes faktisch unter Hausarrest.
Das geheimnisvolle Testament und der „unbekannte Sohn“
Das Hauptargument der Familie gegen die Entscheidung des Komitees war ein Testament, das König Oyo ihren Angaben zufolge bereits im Jahr 2022 verfasst hatte. In diesem Dokument soll der Monarch seinen „leiblichen Sohn“ als seinen einzigen rechtmäßigen Erben genannt haben, ohne dessen Namen absichtlich anzugeben. Diese Information kam für die Elite von Tooro völlig unerwartet, da niemand zuvor von der Existenz dieses Erben gewusst hatte und er nicht in die ursprünglichen Listen der Thronanwärter aufgenommen worden war.
Die Position des Komitees und die Aufrufe zur Trauer
Trotz der lauten Proteste der Familie verteidigt das Königliche Komitee Babiito weiterhin die Rechtmäßigkeit seiner Wahl. Der Vorsitzende des Komitees, Omusuuga Charles Karumasi, erklärte, alle Verfahren seien in strikter Übereinstimmung mit der Kultur und den jahrhundertealten Traditionen von Tooro durchgeführt worden, und rief die Untertanen zur Ruhe auf.
Unterdessen wandte sich die Königinmutter mit einem emotionalen Appell an die Streitparteien. In ihrer Erklärung betonte sie, dass politische Intrigen die Familie daran hinderten, den Verstorbenen würdevoll auf seinem letzten Weg zu begleiten. „Bitte, all das wird noch seine Zeit haben“, heißt es in der Botschaft der Königinmutter. „Gebt uns die Möglichkeit, meinen Sohn, König Oyo, zu betrauern und zu beerdigen.“
