Der dritte Film über die kleine Schwester des berühmten Detektivs ist erschienen, und ehrlich gesagt waren die Erwartungen im Vorfeld überaus positiv. Die ersten beiden Teile hatten die Messlatte hochgelegt: Sie waren frisch, dynamisch und äußerst stilsicher. Doch „Enola Holmes 3“ stellt einen Sonderfall dar. Es ist ein Film, der förmlich zwischen dem Wunsch nach Genialität und einer Realität zerfällt, in der es ihm schlichtweg an dem nötigen Funken fehlt.
Zwar ist hier alles vorhanden: leuchtende Farben, hervorragende Kämpfe, Romantik und der typische Humor. Doch es gibt ein großes Problem – der Film gerät streckenweise spürbar ins Stocken.
Handlung und Tempo: Ein langer Anlauf
Seien wir ehrlich: Im Vergleich zu den ersten beiden Teilen startet der neue Film überraschend zäh. Die Einleitung wirkt in die Länge gezogen, das Erzähltempo bleibt gemächlich, und in den ersten Minuten (wenn nicht gar der ersten halben Stunde) ertappt man sich beim Blick auf die Uhr.
Aber schalten Sie noch nicht ab! Gegen Mitte des Films nimmt die Erzählung schließlich doch noch an Fahrt auf. Die Zahnräder der Handlung beginnen schneller zu greifen, die Intrige spitzt sich zu, und genau dann beginnt jenes Abenteuer, für das wir dieses Franchise eigentlich lieben.
Eudoria Holmes: Der wahre Star des Films
Wenn „Enola Holmes 3“ einen unangefochtenen MVP hat, dann ist es die von Helena Bonham Carter gespielte Mutter der Hauptfigur. Eudoria ist derart exzentrisch, lebensfroh und schlagfertig, dass jeder ihrer Auftritte sofort das Interesse weckt.
Sie durchbricht die vierte Wand, gibt sarkastische Witze zum Besten, trägt exzentrische Outfits und verhält sich so, als wäre viktorianische Etikette für sie nur ein bedeutungsloses Geräusch. Sobald Enolas Mutter auf der Leinwand erscheint, erwacht der Film zum Leben. Ihr Charisma ist jener Klebstoff, der das Werk davor bewahrt, in langatmige Einzelteile zu zerfallen.
Die große Preisfrage: Wo steckt Sherlock?
Der wohl amüsanteste und fesselndste Aspekt des Films dreht sich nicht um die eigentliche Ermittlung, sondern um die Meta-Frage: Wo zum Teufel steckt Sherlock Holmes?
Henry Cavill lieferte als älterer Bruder in den vorigen Teilen einen hervorragenden Kontrast zu Enola. Hier hingegen sorgt seine Abwesenheit (oder das sehr lange Schweigen über seinen Verbleib) für eine amüsante Ungewissheit. Der Zuschauer wartet ständig darauf, dass er auftaucht, die Situation rettet oder zumindest die Eskapaden seiner Schwester mit einem Stirnrunzeln quittiert. Dieses Spiel mit den Erwartungen des Publikums gehört zu den gelungensten Einfällen der Drehbuchautoren.
Optik, Action und Romantik: Visuell auf Top-Niveau
Was die visuelle Gestaltung betrifft, überzeugt der Film nach wie vor auf ganzer Linie. „Enola Holmes 3“ ist ein unglaublich farbenfrohes, lebendiges und ästhetisches Werk. Die Kostüme, die Kulissen und das viktorianische London sind eine wahre Augenweide.
Der Film bleibt amüsant und kurzweilig, wobei er eine angenehme romantische Linie enthält, die nicht kitschig, sondern sehr organisch wirkt. Zudem gibt es hier hervorragend inszenierte Kämpfe! Die Kampfchoreografie ist bis ins Detail durchdacht: Enola nutzt ihre Umgebung, List sowie Akrobatik, und diesen Szenen zuzusehen, bereitet pures Vergnügen.
Fazit: Schöne Verpackung, aber zu wenig Feuer
Das Paradoxon von „Enola Holmes 3“ besteht darin, dass alle richtigen Zutaten vorhanden sind. Es gibt gut inszenierte Actionsequenzen, Humor, Romantik und eine umwerfende Helena Bonham Carter. Doch der Gesamtgeschmack des Werks fällt letztlich etwas fad aus. Es fehlt jene unbändige Energie und der Drive, die die ersten beiden Teile so unvergesslich machten. Stellenweise bleibt der Film trotz aller Bemühungen der Regie schlichtweg langatmig.
Ein Reinfall ist der Film keineswegs. Es handelt sich um ein solides, optisch ansprechendes und phasenweise sehr komisches Werk, das lediglich nicht ganz an die Brillanz seiner Vorgänger herantreicht.
Bewertungen:
* Gaya-Rating: 6.2/10 (Optisch stark, punktuell sehr witzig, aber bei Tempo und Gesamtdynamik gibt es Abzüge. Man kann ihn gut anschauen, aber Begeisterung sieht anders aus).
* IMDb: 6.4/10 (Die Zuschauer loben das Charisma der Darsteller, kritisieren jedoch den schleppenden Anfang).
* Rotten Tomatoes: 68% (Kritiker heben den visuellen Stil und Helena Bonham Carter hervor, bemängeln jedoch das Drehbuch aufgrund fehlender Spannung).
* Kinopoisk: 6.5/10 (Das Publikum spaltet sich in jene, denen der Film gefiel, und jene, die auf ein größeres Wunder gehofft hatten).
Fazit: „Enola Holmes 3“ ist ein Film der Kompromisse. Falls Sie ein Fan des Franchise sind und Helena Bonham Carter lieben, ist der Film ein Muss, denn die Mutter ist hier schlichtweg brillant. Sollten Sie jedoch denselben Drive wie im ersten Teil erwarten, müssen Sie darauf vorbereitet sein, dass der Film eine gewisse Zeit braucht, um in die Gänge zu kommen.



