Das James-Webb-Teleskop nahm das ferne System TGSSJ1530+1049 ins Visier und hielt den Moment fest, als in einem nur 1,5 Milliarden Jahre alten Universum zeitgleich eine gewaltige Galaxie entstand und ein supermassereiches Schwarzes Loch in ihrem Zentrum heranwuchs.
Anstelle einer einzelnen Galaxie entdeckten Forscher der Universität Leiden und aus Oxford eine kompakte Gruppe von mindestens sechs Galaxien. Vier davon sind bereits massereich: Zusammen beherbergen sie hunderte Milliarden Sonnenmassen an Sternen in einem Gebiet mit einem Durchmesser von nur wenigen zehntausend Lichtjahren. Diese enorme Dichte macht das System zu einer der am stärksten gedrängten bekannten Ansammlungen massereicher Galaxien im frühen Universum.
Zuvor hatten Radiobeobachtungen bereits auf ein aktives Schwarzes Loch hingedeutet, doch Webb zeigte nun, dass die Umgebung weitaus komplexer ist. Aayush Saxena aus Oxford merkte an: „Wir haben nicht nur eine Galaxie gefunden, sondern einen ganzen Komplex aus mindestens sechs.“ Roderik Overzier aus Leiden fügte hinzu, dass solche Strukturen als Protocluster gelten – die Vorläufer der heutigen gigantischen Galaxienhaufen.
Im Zentrum befindet sich ein junges, supermassereiches Schwarzes Loch. Sein Wachstum scheint eng mit dem Prozess der Galaxienverschmelzung verknüpft zu sein. Krisztina Gabányi von der Universität Budapest erklärte, dass ein Netzwerk von Radioteleskopen ein klares Bild lieferte: Radiostrahlung entsteht, wenn Materie in das Loch stürzt, während ein Teil davon mit enormer Geschwindigkeit wieder ausgestoßen wird.
Huub Röttgering hob die Besonderheit des Fundes hervor: „Wir können gleichzeitig die Entstehung einer Riesengalaxie und das Wachstum des Schwarzen Lochs in ihrem Inneren beobachten.“ Die auf den Daten des James-Webb-Teleskops basierenden Ergebnisse wurden im „The Open Journal of Astrophysics“ sowie in „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.
Das System ist mehr als 12 Milliarden Lichtjahre entfernt, und diese Beobachtungen bieten einen direkten Einblick in die Art und Weise, wie sich im jungen Kosmos die Vorfahren der größten Galaxien formten, die wir heute kennen.
