10. September 2026. Das Internet hat sich zum wiederholten Mal davon ĂŒberzeugt: Mit der Chronologie stimmt etwas nicht.
Alles begann damit, dass Nutzer sozialer Netzwerke auf einem fast ein Jahrhundert alten GemĂ€lde etwas völlig Unmögliches bemerkten. Unter den Personen, die auf der Leinwand aus dem Jahr 1937 dargestellt sind, hĂ€lt ein Indianer einen Gegenstand in den HĂ€nden, der verdĂ€chtig â ja sogar allzu verdĂ€chtig! â an ein modernes Smartphone erinnert.
Darf ich vorstellen: Mr. Pynchon und ⊠ein iPhone?
Die Rede ist vom Fresko âMr. Pynchon and the Settling of Springfieldâ des italienischen KĂŒnstlers Umberto Romano. Das GemĂ€lde zeigt eine Szene aus dem Massachusetts des XVII. Jahrhunderts, als europĂ€ische Siedler mit den indigenen Völkern Amerikas zusammentrafen.
Doch die ganze Aufmerksamkeit gilt nicht dem historischen Sujet, sondern einem der Indianer, der, wie ein echter Millennial, einen dunklen rechteckigen Gegenstand in den HĂ€nden hĂ€lt. Und dieser Gegenstand ⊠nun ja, Sie wissen schon. Es sieht aus, als hĂ€tte jemand sein Smartphone 89 Jahre zu frĂŒh vergessen.
Das Internet fÀllt sein Urteil: Zeitreisende existieren!
Die sozialen Netzwerke explodierten natĂŒrlich. Die Nutzer teilten sich sogleich in mehrere Lager auf:
Das Lager der âVerschwörungstheoretikerâ:
- âEs ist doch offensichtlich, dass das ein Zeitreisender ist!â
- âApple hat das iPhone im Jahr 1937 erfunden, man hat es nur aus der Geschichte gelöscht!â
- âEin LadegerĂ€t war noch nicht erfunden, deshalb ging das Telefon sofort aus, und man warf es gleich wegâ đ
Das Lager des âgesunden Menschenverstandsâ:
Historiker und Kunstwissenschaftler sind weit nĂŒchterner eingestellt. Höchstwahrscheinlich ist es ein gewöhnlicher Gegenstand seiner Epoche â vielleicht ein Buch, ein Taschenspiegel oder irgendein rituelles Objekt â, der einfach sehr glĂŒcklich (oder unglĂŒcklich?) wie ein Gadget des XXI. Jahrhunderts aussieht.
Doch wen kĂŒmmern schon trockene Fakten, wenn es eine so wunderbare Verschwörungstheorie gibt?
Das ist nicht das erste Mal
Interessant ist, dass das GemĂ€lde von Umberto Romano schon frĂŒher viral gegangen ist. In den Jahren 2017, 2023 und 2025 âfandenâ die Menschen ebenfalls mit Begeisterung ein Smartphone darin. Doch jetzt ist es erneut in die Umlaufbahn der ViralitĂ€t eingetreten und hat bewiesen, dass ein gutes Mem wahrhaftig ewig ist.
Das Internet stellte sogleich eine Untersuchung an und fĂ€llte das Urteil: Das ist ein iPhone, und der Mann versucht einfach nur, zwischen 1636 und 1937 ein Signal zu empfangen. Vielleicht liest er die Nachrichten, prĂŒft den Kurs von Pelzfellen oder schreibt: âIch komme spĂ€ter, hier sind schon wieder Siedler angekommen.â
Die Historiker haben, wie ĂŒblich, den SpaĂ mit einer vernĂŒnftigen ErklĂ€rung verdorben. Höchstwahrscheinlich hĂ€lt der Mann einen kleinen Spiegel in den HĂ€nden â solche Dinge brachten die EuropĂ€er tatsĂ€chlich nach Amerika und verwendeten sie beim Handel mit den Ureinwohnern. Unter den anderen Versionen finden sich ein Buch oder ein religiöser Gegenstand.
Doch die Nutzer des Netzes lassen sich nicht mehr umstimmen. Wenn es ein Spiegel ist, warum hÀlt der Mann ihn ausgerechnet so, als wolle er gleich ein Like vergeben, durch den Feed scrollen und jemandem ein Foto eines Bisons schicken?
Kurz gesagt, das iPhone existierte im XVII. Jahrhundert vielleicht schon. Nur gab es das Internet noch nicht, auf das LadegerĂ€t musste man drei Jahrhunderte warten, und das Systemupdate wurde ungefĂ€hr bis zur industriellen Revolution installiert. đ
Was ist dort also in Wirklichkeit?
LĂ€sst man die Scherze ĂŒber Zeitmaschinen beiseite, so ist die wahrscheinlichste ErklĂ€rung banal: Der KĂŒnstler hat einen Gegenstand dargestellt, der fĂŒr jene Epoche oder Kultur charakteristisch ist. Nur zieht unser Gehirn, das auf das Erkennen moderner Gadgets trainiert ist, sofort eine Parallele zur rechteckigen Form des Telefons.
Die Pareidolie â sie ist der wahre Schuldige dieser Geschichte. Es ist derselbe Effekt, bei dem wir Gesichter in den Wolken sehen, Steckdosen in den WĂ€nden oder ein Abbild einer bekannten Figur auf einem Toast.
Aber seien wir ehrlich: Die Version mit dem Zeitreisenden ist doch viel interessanter.
Das Internet hat bereits seine endgĂŒltige Entscheidung getroffen: Das iPhone hat schon immer existiert, nur die Steckdose wurde spĂ€ter erfunden. đđ±
Und was denken Sie: ein Fehler in der Matrix oder einfach ein lustiger Zufall? đ

