Das Fintech-Unternehmen Block, gegründet von Jack Dorsey (Mitbegründer von Twitter), hat eine neue offene Arbeitsplattform namens Buzz vorgestellt. Ihr Hauptmerkmal ist ein revolutionärer Ansatz zur künstlichen Intelligenz: KI-Agenten werden hier nicht als einfache Hilfswerkzeuge oder „Browser-Tabs“ betrachtet, sondern als vollwertige Teammitglieder mit eigenen Konten und Zugriffsrechten.
Die am 23. Juli 2026 gestartete und bereits unter buzz.xyz verfügbare Plattform vereint die üblichen Funktionen von Unternehmensmessengern: Kanäle, Diskussions-Threads, Direktnachrichten, Sprachkommunikation, Medienaustausch, Code-Repositories und automatisierte Arbeitsabläufe. In seiner Struktur ähnelt Buzz Slack oder Microsoft Teams, unterscheidet sich jedoch grundlegend von ihnen in der Interaktionsarchitektur mit KI.
KI als gleichberechtigter Kollege
Die wichtigste Neuerung von Buzz besteht darin, dass KI-Agenten eigene kryptografische Identifikatoren und individuelle Rechte erhalten. Dies ermöglicht ihnen:
- Nachrichten in gemeinsamen Chats und Kanälen zu posten;
- Code zu überprüfen und zu revidieren;
- automatisierte Prozesse zu starten;
- an Arbeitsdiskussionen auf Augenhöhe mit menschlichen Mitarbeitern teilzunehmen.
„Jedes Unternehmen wird einen Raum brauchen, in dem Menschen und Agenten zusammenarbeiten“, sagte Bradley Axen, Leiter des KI-Bereichs bei Block. „Die Frage ist, ob dieser Raum proprietär oder offen sein wird. Wir haben Buzz entwickelt, weil wir glauben, dass er offen sein sollte.“
Dezentralisierung und Portabilität
Die Grundlage der Plattform bildet das dezentrale Protokoll Nostr. Es stellt jedem Teilnehmer des Netzwerks – sei es ein Mensch oder eine künstliche Intelligenz – ein Paar kryptografischer Schlüssel zur Verfügung, die dem Benutzer selbst gehören und nicht der Plattform.
Nach Angaben der Entwickler bietet diese Lösung eine beispiellose Portabilität: Die digitale Identität eines KI-Agenten und seine gesamte Interaktionshistorie können frei zwischen anderen mit Nostr kompatiblen Systemen übertragen werden. Der Agent ist nicht mehr an das geschlossene Kontosystem eines bestimmten Anbieters gebunden, was für Unternehmen die Risiken einer Abhängigkeit von einem Anbieter (Vendor Lock-in) reduziert.
Flexibilität und offener Quellcode
Buzz ist nicht an bestimmte proprietäre Sprachmodelle gebunden. Entwicklungsteams können selbst entscheiden, welche Agenten sie in ihren Arbeitsbereich integrieren möchten. Die Plattform unterstützt die Anbindung von Agenten auf Basis von:
- Claude Code;
- Codex;
- Blocks eigenem Framework namens goose;
- jeglichen anderen firmeneigenen KI-Lösungen.
Darüber hinaus verteilt Block den Quellcode von Buzz unter der offenen Lizenz Apache 2.0. Das bedeutet, dass jeder Entwickler und jedes Unternehmen die Architektur der Plattform frei untersuchen, sie für seine spezifischen Bedürfnisse modifizieren und ohne Lizenzbeschränkungen auf eigenen Servern bereitstellen kann.
Die Zukunft der Unternehmenskommunikation
Der Start von Buzz markiert einen wichtigen Paradigmenwechsel in der Unternehmenskommunikation. Während KI-Tools früher isoliert existierten und von Mitarbeitern sporadisch genutzt wurden, findet nun eine tiefe und gleichberechtigte Integration in das Gewebe des täglichen Arbeitsablaufs statt.
Der offene und dezentrale Ansatz von Block könnte einen neuen Standard für die IT-Branche setzen und traditionelle Marktteilnehmer zwingen, ihre Strategien zu überdenken, wie künstliche Intelligenz und Menschen am Arbeitsplatz koexistieren sollten.



