Zur am sehnlichsten erwarteten und auffälligsten Westernserie des Jahres 2025 wurde zu Recht das groß angelegte Projekt American Primeval („Первозданная Америка“) von Netflix. Es ist einer der brillantesten Genre-Releases des Jahres, der kühn die Sehgewohnheiten der Zuschauer durchbricht.
Der Film ist unglaublich spannend, wenn auch grausam. Doch es gibt hier keine überflüssige Effekthascherei — alles streng nach Drehbuch. Erfreulich ist die stimmige, dichte Inszenierung, die atmosphärische Musik und die hervorragende Besetzung. Obwohl, ehrlich gesagt, gibt es eine Nuance: Der Junge spielt am besten von allen!
Gesondert erwähnen möchte man Preston Mota, der den Jungen Devin spielt.
Inmitten der Erwachsenen, des Schmutzes, des Blutes, der Konflikte und der allgemeinen Härte bleibt seine Figur eine der lebendigsten und emotionalsten der Geschichte. Und zeitweise scheint es, dass gerade der Junge am besten von allen spielt. Gerade seine Augen und Emotionen vermitteln das Wesen dieser erbarmungslosen Welt besser als jedes Wort. Und natürlich das Mädchen. Im Übrigen könnt ihr selbst urteilen.
Es scheint ein Western zu sein, doch dem gewohnten Genre gleicht er nur teilweise. Vergesst die romantischen Geschichten im Geiste von „Ransom Canyon“, wo Cowboys und Farmer sich vor der Kulisse schöner Sonnenuntergänge Blicke zuwerfen. Und erst recht ähnelt er nicht den Hochglanz-Western nach dem Vorbild des Jahres 2026 aus den Universen „Ranch Dutton“, „Madison“ oder „Little House on the Prairie“, wo Cowboys, Dorfbewohner und sogar Pferde allzu „anständig“ wirken.
Hier gibt es keine wohlerzogenen Helden. Hier gibt es nur Schlägereien, Kriege und den Kampf um jeden Flecken Land. Die Handlung entfaltet sich wie in einem anderen Universum. Und seltsamerweise ist es gerade dieses Gefühl der „fremden Welt“, das den Zuschauer vor einem übermäßigen Schock angesichts der Grausamkeit bewahrt. Sie ist hier vorhanden, und es gibt viel davon. Doch sie ist durch das Drehbuch und die Geschichte gerechtfertigt. Nicht umsonst wird das Genre der Serie selbst als hartes und realistisches Drama über den Kampf ums Überleben, das Aufeinandertreffen der Kulturen und die Erbarmungslosigkeit der amerikanischen Frontier definiert.
Auf der Leinwand prallen die Interessen der unterschiedlichsten Gruppen aufeinander: Da gibt es Indianerstämme, Siedler und Söldner — jedes Volk kämpft um seinen Platz unter dieser blutigen Sonne.
Jede Folge hält in Spannung und ist auf ihre Weise interessant, ohne einen Moment zum Durchatmen zu gönnen. Doch wenn ihr von der ununterbrochenen Grausamkeit und Finsternis ermüdet, sei euch zur Beruhigung gesagt: Die Serie schenkt dennoch Hoffnung. Und unerwartet gibt es am Ende auch Liebe. Das ist kein Spoiler. Eher ein kleiner Wegweiser: Wenn die Kräfte zur Neige gehen, so wisst, dass ihr im Finale auch dieses helle Gefühl sehen werdet :)
„American Primeval“ ist ein schweres, aber faszinierendes Schauspiel für jene, die bereit sind, die Kehrseite der Eroberung des Westens ohne Beschönigung und Romantisierung zu sehen.
Gayas Bewertung: 7.4/10


