Bis zur Verleihung der goldenen Statuetten ist es noch fast ein halbes Jahr, doch der Kampf um die beste männliche Hauptrolle verspricht schon jetzt Spannung. Nach Venedig, Telluride und Toronto hat sich in den Prognosen ein Trio herauskristallisiert: Andrew Scott, Matt Damon und John Malkovich. Und ein unumstrittener Favorit lässt sich bislang nicht benennen.
In der September-Prognose von AwardsWatch setzten alle vier Experten diese Schauspieler auf die ersten drei Plätze, verteilten die Ränge jedoch unterschiedlich. Zwei gaben Scott die Führung, einer Damon, ein weiterer Malkovich. Ein seltener Fall: Über die Zusammensetzung des Trios herrscht Einigkeit, doch wer die Siegesrede vorbereiten darf, ist eine offene Frage. Prognose von AwardsWatch
Andrew Scott: eine Rolle, die zum Höhepunkt seiner Karriere werden könnte
In dem Drama „Elsinore“ — Elsinore Scott spielt den schottischen Schauspieler Ian Charleson, bekannt aus „Chariots of Fire“. Im Zentrum der Geschichte steht seine Rückkehr auf die Bühne als Hamlet im Jahr 1989, als er bereits schwer an AIDS erkrankt war.
Es ist die Geschichte eines Mannes, der weiterspielt, obwohl sein eigenes Leben rasant zu Ende geht. Regie führt Simon Stone, das Drehbuch stammt von Steven Beresford. An der Seite von Scott sind Olivia Colman, Billie Piper und Johnny Flynn zu sehen. Der US-Kinostart ist für den 20 November geplant — die Begegnung mit einem breiten Publikum steht dem Film also noch bevor. Mehr zum Film
Matt Damon: zur Statuette — über die „Odyssee“
Scotts größter Konkurrent ist Matt Damon mit „The Odyssey“ von Christopher Nolan
Seine Position ist besonders stabil: In der Tabelle von AwardsWatch belegt er bei einem Experten den ersten Platz und bei den übrigen drei den zweiten.
Dieser mögliche Sieg hat eine schöne Vorgeschichte. Den „Oscar“ hat Damon bereits, doch erhielt er ihn gemeinsam mit Ben Affleck für das Originaldrehbuch zu „Good Will Hunting“ im Jahr 1998. Es geht also um die Chance, der Drehbuchauszeichnung eine Schauspielerauszeichnung hinzuzufügen. Archiv der American Academy
Natürlich bringt die Formel „hat es längst verdient“ für sich genommen keine Statuetten ein. Doch für die Award-Saison ist eine solche Geschichte eine zusätzliche Spannung.
John Malkovich: ein gefährlicher Konkurrent mit schwarzem Humor
Malkovich ist für die Auszeichnung nominiert für „Wild Horse Nine“ — Wild Horse Nine, den neuen Film von Martin McDonagh, dem Autor von „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ und „The Banshees of Inisherin“.
Malkovich und Sam Rockwell spielen CIA-Mitarbeiter, die nach den Ereignissen in Chile im Jahr 1973 auf der Osterinsel gestrandet sind. Die politische Geschichte verwebt sich hier mit Themen wie Sterblichkeit, Reue und McDonaghs unverwechselbarem düsteren Humor. Der Regisseur selbst betont Malkovichs Fähigkeit, in einer Figur Bedrohung und Trauer zu vereinen. Nach den Festivalvorführungen wurde der Schauspieler zu einem der meistdiskutierten Teilnehmer des Award-Rennens. Interview von McDonagh für Associated Press
Wer könnte sonst noch in den Kampf eingreifen?
Die Verfolger: eine Longlist, die es zu beobachten gilt
Neben dem Haupttrio werden in die Listen potenzieller Nominierter aktiv zwei Stars aufgenommen, deren Arbeiten gegen Winter einen kommerziellen und kritischen Durchbruch erzielen könnten:
* Sebastian Stan („Fjord“ / Fjord): Zeigt eine unerwartete dramatische Bandbreite und entfernt sich vom Superhelden-Image.
* Tom Cruise („Digger“ / Digger): Wenn die Gerüchte stimmen, ist dies eine radikale Abkehr vom Actionhelden-Fach hin zu einem düsteren Charakterdrama. Die Academy liebt es, wenn „Kassengiganten“ Verletzlichkeit zeigen.
📅 Wann findet die Verleihung des „Oscar-2027“ statt?
Die 99. Zeremonie findet am 14 März 2027 statt im Dolby Theatre in Hollywood. Die Nominierten werden bekannt gegeben am 21 Januar, und die Schlussabstimmung findet statt vom 25 Februar bis 4 März. Die nächste, die hundertste Jubiläumszeremonie, ist bereits für den 5 März 2028 angesetzt.
Der Moderator des „Oscar-2027“ wird erneut Conan O’Brien sein — zum dritten Mal in Folge. Für den humoristischen Teil des Abends ist also gesorgt. Doch der Name des besten Schauspielers bleibt weiterhin ein hervorragender Anlass für Diskussionen — und dafür, schon im Voraus eine Liste der Filme zusammenzustellen, die man sehen sollte.
🔥 4 interessante Details dieses Oscar-Rennens
1. Der „Fluch“ von Matt Damon. Damon hat bereits einen „Oscar“ für das beste Originaldrehbuch („Good Will Hunting“, 1998), doch in über 30 Jahren Karriere wurde er kein einziges Mal als bester Schauspieler nominiert. Hollywood hält das seit Langem für eine Ungerechtigkeit, und Nolans „Odyssee“ ist der ideale Anlass, das zu korrigieren.
2. Der Nolan-Faktor. Nachdem „Oppenheimer“ im Jahr 2024 triumphal alle Auszeichnungen abgeräumt hat, gerät jeder Film von Christopher Nolan automatisch ins Visier der Academy. „Die Odyssee“ wird nicht einfach als Blockbuster betrachtet, sondern als das wichtigste Kinoereignis des Jahres.
3. Die Rückkehr einer Legende. John Malkovichs letzte Schauspielnominierung war im Jahr 1993 („Auf Messers Schneide“). Seine Rolle in „Wild Horse Nine“ wird mit den triumphalen Comebacks von Anthony Hopkins oder Gary Oldman verglichen, als die Academy nicht einfach für eine Rolle auszeichnet, sondern für den Beitrag zum Beruf, der in einer konkreten Performance verkörpert wird.
4. Tom Cruise gegen die Academy. Cruise ist einer der umsatzstärksten Schauspieler der Geschichte, hat aber nur eine einzige Schauspielnominierung für einen Oscar erhalten (für „Geboren am vierten Juli“ im Jahr 1990). Wenn „Wild Ones“ tatsächlich ein schwieriges psychologisches Drama wird, könnte es zu dem „dunklen Pferd“ werden, das das System knackt.
Fazit: Das Rennen hat gerade erst begonnen. Vor uns liegen die Herbstpremieren in New York und Los Angeles, die Bekanntgabe der Nominierungen durch die Gilden (SAG, DGA, PGA) und die „Golden Globes“. Doch schon jetzt ist klar: Der Kampf um die wichtigste männliche Trophäe des Jahres 2027 verspricht einer der angespanntesten und unvorhersehbarsten der letzten Jahre zu werden.


