Stellen Sie sich ein gemessenes, bewusstes Erzähltempo vor, das den Zuschauer nicht überrumpelt, sondern ihn wie dichter Nebel über einer nächtlichen Metropole einhüllt. Und dann, völlig unerwartet, ein scharfer Wendepunkt, der einem den Atem raubt. Genau so präsentiert sich die neue Science-Fiction-Serie Lanterns, die am 16. August 2026 auf HBO und der Streaming-Plattform Max Premiere feierte. Dies ist nicht einfach nur eine weitere Produktion; es ist ein echter Inspirationsschub, der den Wunsch weckt, seine Eindrücke sofort mit anderen zu teilen.
Die erste Staffel umfasst acht Episoden, die wöchentlich ausgestrahlt werden, was dem Zuschauer erlaubt, jede Folge gründlich zu verarbeiten. Das ist wahrhaft großartige, lebendige Science-Fiction: brutal, schlagfertig und unglaublich stilvoll. Hier entsteht in jeder Minute eine neue Intrige. Nehmen wir zum Beispiel die zweite Episode: Ihr Ende ist derart fesselnd, dass es für Gänsehautmomente sorgt – und das ist kein Spoiler, sondern das Versprechen, dass man sich keine Sekunde lang langweilen wird.
Die Besetzung der Serie ist ein absoluter Volltreffer. Jeder Schauspieler verleiht dem Projekt eine einzigartige Energie. Kyle Chandler verkörpert Hal Jordan als Meister des tiefgründigen Dramas, bekannt aus Friday Night Lights, für das er einen Emmy erhielt, sowie aus The Wolf of Wall Street und der Godzilla-Reihe. Er bringt eine Mischung aus stählerner Härte, Charisma und unerwarteter Verletzlichkeit in diese Superheldenrolle ein.
An seiner Seite agiert Aaron Pierre als John Stewart, ein aufstrebender britischer Star, dessen Karriere derzeit steil nach oben zeigt. Nach Rollen im Thriller Rebel Ridge, in Krypton und als markante Stimme von Mufasa im neuen Disney-Prequel beweist er eindrucksvoll, dass er das Gewicht einer kosmischen Erzählung tragen kann.
Die größte Stärke der Serie liegt in diesem schauspielerischen Duo. Kyle Chandler spielt den Hal Jordan als erfahrenen, vom Leben gezeichneten, rauen und manchmal geradezu unerträglichen Charakter. Viele erinnern sich an Chandler aus Friday Night Lights, Bloodline sowie aus Filmen wie King Kong, Argo und dem Godzilla-Universum. Aaron Pierre hingegen bringt als John Stewart eine ernsthafte, besonnene Note ein, die perfekt mit Chandlers Zynismus kontrastiert.
Zwischen ihnen entsteht genau die Chemie, die eine solche Serie benötigt: ein wenig Reibung, eine Prise Rivalität, zahlreiche scharfe Dialoge und ein allmählich wachsender gegenseitiger Respekt. Es ist kein Zufall, dass auch Kritiker die Interaktion zwischen Chandler und Pierre besonders hervorheben.
Zusätzlich tritt Nathan Fillion als Guy Gardner auf – ein Schauspieler, den Science-Fiction-Fans kaum vorstellen müssen. Ob als Captain Mal aus Firefly, Richard Castle aus Castle oder John Nolan aus The Rookie, Fillion beherrscht es meisterhaft, Figuren zu spielen, die gleichzeitig irritieren, amüsieren und charmieren. Ergänzt wird das Ensemble durch Kelly Macdonald als Sheriff Kerry, bekannt aus Trainspotting, No Country for Old Men, Gosford Park und Boardwalk Empire. Diese starke Besetzung hebt das Niveau der Serie erheblich.
Während die erste Episode die Welt einführt, beginnt die zweite bereits, die Schlinge der Intrige zuzuziehen. Besonders das Ende ist bemerkenswert. Obwohl es fast schon komisch ist, bei Lanterns vor Spoilern zu warnen, da etwa alle zehn Minuten ein neues Rätsel oder eine neue Wendung auftaucht, die das bisherige Verständnis der Handlung infrage stellt.
Lanterns unterscheidet sich wohltuend von typischen, lauten Superhelden-Produktionen. Die Serie wirkt erwachsener, ruhiger und fokussierter. Statt den Zuschauer alle fünf Minuten mit computergenerierten Katastrophen zu überfluten, setzt das Werk auf einen zurückhaltenden visuellen Stil, hochwertige Effekte und eine intelligente detective-artige Erzählweise. Es ist brutal, aber nicht plump; ernst, aber nicht düster; fantastisch, aber dennoch überraschend bodenständig.
Aktuell erzielt Lanterns beeindruckende Bewertungen: Rotten Tomatoes verzeichnet 94 Prozent positive Kritiken, Metacritic liegt bei 71 von 100 Punkten und IMDb bei 8,0 von 10. Unsere eigene Bewertung liegt bei 9,1 von 10. Wenn Lanterns das Niveau der ersten beiden Episoden halten kann, wird es zweifellos zu einer der besten Science-Fiction-Serien des Jahres avancieren.



