KI-Bot-Farmen unter der Kontrolle eines einzelnen Agenten: Wie autonome Systeme gesellschaftliche Narrative erschaffen und beeinflussen

Autor: Uliana S

Ein KI-Agent verwaltet rund um die Uhr 50 Social-Media-Konten.

Anfang April 2026 verbreitete sich auf X (ehemals Twitter) ein kurzes Video, das viele Nutzer dazu veranlasste, ihren gewohnten Feed mit völlig neuen Augen zu sehen. Auf dem Computerbildschirm ist ein dichtes Raster aus Dutzenden virtuellen Smartphones zu erkennen. Jedes „Handy“ zeigt die Benutzeroberfläche populärer Plattformen: X, WeChat und diverse andere Messenger. Die Account-Nummern reichen von 01 bis 50 und darüber hinaus. Während die Kamera langsam über den Monitor gleitet, aktualisieren sich die Fenster in Echtzeit: Posts erscheinen, Likes werden vergeben, Kommentare verfasst und Feeds durchgescrollt. Kein einziger Mausklick, kein einziger menschlicher Befehl ist nötig. Alles wird von einem autonomen KI-Agenten namens Manus erledigt. <\/p>

Innerhalb weniger Stunden erreichte das Video Hunderttausende Aufrufe. Die Demonstration ist simpel und zugleich erschreckend effektiv: Eine einzige KI verwaltet gleichzeitig fünfzig Accounts, veröffentlicht Inhalte, interagiert mit dem Publikum und hält die Aktivität rund um die Uhr aufrecht. Keine Pausen, keine Ermüdungserscheinungen – nur Algorithmen und virtuelle Geräte-Emulatoren.<\/p>

Eines der Videos wurde von der US-Kongressabgeordneten Anna Paulina Luna zitiert – zunächst auf ihrem privaten Account, später auch auf ihrem offiziellen Profil. „Hütet euch vor PsyOp-Bot-Farmen“, schrieb sie im ersten Post. Im zweiten fügte sie hinzu: „Ausländische Geheimdienstoperationen setzen Bot-Farmen ein, um Feeds zu überfluten und Narrative zu manipulieren. Das ist die moderne Kriegsführung. Seid wachsam und fallt nicht auf Lügen herein.“<\/p>

Luna, eine Veteranin der US-Luftwaffe, spricht nicht zum ersten Mal über die Risiken der Informationsbeeinflussung. Ihr Kommentar verstärkte die Resonanz augenblicklich. Die Diskussion weitete sich über eine rein technische Neuheit hinaus aus: Es ging darum, wie solche Werkzeuge zur massenhaften Verbreitung von Desinformation, zum künstlichen Aufblähen von Trends oder zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung vor Wahlen eingesetzt werden können.<\/p>

Manus AI ist eine Entwicklung des chinesischen Startups Monica, das später von Meta übernommen wurde. Der Agent wird als universeller Aufgabenlöser positioniert: von der Themenrecherche bis hin zur Automatisierung von Routineaufgaben. Die Demonstration mit 50 Accounts ist eines der anschaulichsten Beispiele für seine Leistungsfähigkeit. Die Technologie an sich ist nicht neu: Verschiedene Unternehmen testen bereits ähnliche Multi-Agenten-Systeme. Doch gerade dieses Video wurde zum Katalysator für eine breite gesellschaftliche Debatte.<\/p>

Experten weisen darauf hin, dass die Grenzen zwischen echten Nutzern und automatisierten Accounts zunehmend verschwimmen. Ein gewöhnlicher Leser im Feed kann immer seltener zwischen einem echten Beitrag und einem KI-generierten Post unterscheiden. Wenn Tausende solcher „echten“ Accounts koordiniert zusammenarbeiten, verzerrt dies das Bild der öffentlichen Meinung grundlegend.<\/p>

Bisher gibt es keine bestätigten Daten darüber, dass ausgerechnet Manus von ausländischen Geheimdiensten genutzt wird. Die Warnung der US-Politikerin spiegelt jedoch die wachsende Besorgnis von Behörden weltweit wider. In einer Ära, in der Algorithmen bestimmen, was wir zuerst sehen, werden autonome KI-Agenten zu einem neuen Instrument der Einflussnahme. Die entscheidende Frage lautet nun nicht mehr „Wie funktioniert das?“, sondern „Wer nutzt es zu welchem Zweck?“.<\/p>

Während sich die Technologie weiterentwickelt, bleibt den Nutzern nur eines: Inhalte kritisch zu hinterfragen und sich bewusst zu machen, dass hinter einem auffälligen Bild im Feed kein Mensch stecken muss, sondern ein intelligentes Programm, das niemals schläft.<\/p>

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