In Hongkong hat die Aufsichtsbehörde einen Schritt unternommen, der das Kräfteverhältnis auf dem Markt für virtuelle Vermögenswerte verändern könnte. Die Securities and Futures Commission (SFC) hat zugestimmt, die CVAP-Prüfung vom obligatorischen Vorbereitungskurs zu entkoppeln, die Gebühren zu senken und offizielle Lernmaterialien bereitzustellen. Diese Änderungen sind das Ergebnis von Verhandlungen mit Branchenverbänden und zielen darauf ab, die Hürden für Fachkräfte zu senken.
Bisher waren Kandidaten gezwungen, erst einen kostenpflichtigen Kurs zu absolvieren, bevor sie zur Prüfung zugelassen wurden. Nun ist eine direkte Anmeldung zur Prüfung möglich. Die Kosten sollen an das Niveau der herkömmlichen Lizenzen Paper 2 und Paper 3 angepasst werden, während offizielle Leitfäden die bisherigen fragmentierten Notizen ersetzen. Marktteilnehmer gehen davon aus, dass dies die Ausbildungskosten der Unternehmen spürbar senken und den Zustrom qualifizierter Fachkräfte beschleunigen wird.
Hinter dieser vordergründig technischen Anpassung verbirgt sich ein strategisches Kalkül. Seit mehreren Jahren arbeitet Hongkong an seinem Ruf als Krypto-Hub, indem es Handelsplattformen lizenziert sowie Regeln für Depotverwahrer und Berater einführt. Damit dieses Regelwerk greift, bedarf es Experten, die es verstehen und anwenden können. Zu hohe Markteintrittsbarrieren drohten die Aufsichtsbehörde um die nötigen Fachkräfte und den Markt um Liquidität sowie Innovationen zu bringen.
Hier greifen verschiedene Interessen ineinander. Die SFC ist bestrebt, die Kontrolle zu behalten und das Vertrauen der Anleger zu sichern, um eine Wiederholung der Skandale vergangener Jahre zu vermeiden. Die Branche möchte schneller skalieren und Talente aus dem traditionellen Finanzsektor gewinnen. Für einzelne Fachkräfte oder kleine Unternehmen bedeutet die Reduzierung von Kosten und Zeitaufwand für die Zertifizierung eine echte Chance, ohne monatelange Investitionen in das regulierte Segment einzusteigen.
Man stelle sich einen Garten vor, in dem jede neue Pflanze zunächst gegen Gebühr in einem Gewächshaus aufgezogen werden muss, bevor sie umgepflanzt werden darf. Wenn man überflüssige Schritte streicht und den Samen erlaubt, direkt in den Boden zu gelangen, wächst der Garten schneller – vorausgesetzt, der Boden bleibt fruchtbar und gepflegt. Genau diesen Boden bereitet die SFC derzeit vor.
Die Änderungen werden nach Abstimmung mit dem HKSI schrittweise in Kraft treten. Es bleibt abzuwarten, wie stark die tatsächlichen Kosten sinken und wie schnell die Materialien aktualisiert werden. Doch allein die Tatsache des Dialogs zwischen Aufsicht und Markt signalisiert: Hongkong ist nicht bereit, seine Position im globalen Krypto-Wettlauf aufzugeben.
Für all jene, die eine Karriere oder ein Geschäft im Bereich virtueller Vermögenswerte anstreben, ist dies eine Mahnung: Regeln ändern sich nicht nur durch technologischen Fortschritt, sondern auch unter dem Druck wirtschaftlicher Notwendigkeit.



