Das Gespenst der Supraleitung: Paardichtewellen in Uranditellurid

Bearbeitet von: Svitlana Velhush

In einer Welt, in der Elektronen normalerweise zusammenstoßen und Energie verlieren, ermöglichen Supraleiter ihnen, sich ohne Widerstand zu bewegen. Doch in Uranditellurid haben Wissenschaftler etwas Unerwartetes entdeckt: geordnete Wellen von Elektronenpaaren bleiben bestehen, selbst nachdem das Material seinen supraleitenden Zustand verliert.

Supraleitung entsteht bei sehr niedrigen Temperaturen, wenn Elektronen Cooper-Paare bilden und ohne Verluste durch das Kristallgitter wandern. In gewöhnlichen Materialien treten diese Paare streng beim Phasenübergang auf. Doch in Uranditellurid, das unterhalb von 2,1 Kelvin supraleitend wird, bilden die Cooper-Paare wiederkehrende räumliche Muster – Paardichtewellen.

Solche Wellen wurden bereits im Jahr 2007 vorhergesagt, doch es gab keine direkten Beweise für ihre Existenz außerhalb der supraleitenden Phase. Forscher der University of Illinois in Urbana-Champaign verwendeten ein Rastertunnelmikroskop mit vektorieller Magnetfeldkontrolle und hochwertige Materialproben. Sie registrierten charakteristische elektronische Moden, die auf Temperatur und Magnetfeld genau so reagieren, wie es die Theorie der Paardichtewellen vorhersagt.

Das Erstaunlichste: Diese Moden bleiben bei Temperaturen deutlich oberhalb des kritischen Punkts der Supraleitung erhalten. Der Physiker Eduardo Fradkin verglich sie mit dem Lächeln der Cheshire-Katze – Spuren, die nach dem Verschwinden der Phase selbst zurückbleiben. Das bedeutet nicht, dass das Material bei höheren Temperaturen supraleitend bleibt, sondern zeigt, dass Cooper-Paare in organisierter Form unabhängig vom Grundzustand existieren können.

Uranditellurid ist auch deshalb interessant, weil es als seltener Spin-Triplett-Supraleiter gilt: Die Elektronenpaare in ihm besitzen eine eigene magnetische Orientierung. Die Beobachtung der Paardichtewellen hilft zu verstehen, wie genau solche ungewöhnlichen Paare entstehen und warum sie sich anders verhalten als in klassischen Supraleitern.

Die Entdeckung bringt Physiker der Enträtselung der Mechanismen unkonventioneller Supraleitung näher und könnte Wege zur Entwicklung von Materialien aufzeigen, die bei höheren Temperaturen funktionieren. Das Verständnis dieser Zwischenzustände ist wichtig für künftige Technologien – von energieeffizienten Netzen bis hin zu Quantencomputern.

Paardichtewellen zeigen, dass Supraleitung nicht einfach ein Ein- oder Ausschalten ist, sondern ein komplexer Prozess mit Zwischenstufen, die nun direkt untersucht werden können.

6 Ansichten

Quellen

  • New Form of Superconductor Behavior Discovered That We've Never Seen Before

Kommentare

Lesen Sie mehr Artikel zu diesem Thema:

HKUST Researchers Redraw the Boundary between Phases of Matter A research team led by Prof. Haruki WATANABE, Professor in the Department of Physics and the Jockey Club Institute for Advanced Study (IAS) at HKUST, in collaboration with Prof. Yukitoshi MOTOME and graduate student

Image
Reply
Haben Sie einen Fehler oder eine Ungenauigkeit festgestellt?Wir werden Ihre Kommentare so schnell wie möglich berücksichtigen.